Zu Hause bei Miles Davis und
unter Einfluss von Chet Baker. - Seite 2/5
Jazz LE:
Und in Berkeley trafen Sie dann Menschen, die in Ihren weiteren Leben immer wieder eine Rolle spielten?
R. Beirach: Ich traf Harvey Mason, den Schlagzeuger, ich traf Ernie Watts, Keith Jarrett, John Abercrombie und David Johnson. Alle waren da 1965 noch sehr jung. Niemand konnte sehr gut spielen. Aber wir wurden Freunde und spielten den ganzen Tag Musik.
Jazz LE: Nach einem Jahr sind Sie aber wieder zurück nach New York gegangen um Komposition zu studieren?
R. Beirach: Ich wusste viel über das Klavier aber nicht so viel über Musik. So bewarb ich mich an der Manhattan School of Music in den Fächern für Theorie und Komposition, nicht für Klavier. Das war das Beste, was ich je gemacht habe. Ich war glücklich. Ich hatte nun die Chance, bei Ludmilla Ulehla zu studieren. Sie hat meines Erachtens das beste Buch über zeitgenössische Harmonie auf der ganzen Welt geschrieben. Ich blieb dort 4 Jahre und studierte die ganze Musik von Bach bis Stockhausen. Ich lernte, saugte alles in mich auf. Abends spielte ich mit meinen Freunden in den Clubs, tagsüber war ich an der Hochschule. Meinen Abschluss machte ich 1972, Bachelor of Music. Und dann mein erster wirklich wichtiger Auftritt mit Stan Getz. Ich tourte mit ihm zwei Jahre durchs Land, dann auch mit Chet Baker, John Abercrombie, Freddy Hubbard und anderen.
Jazz LE:
Können Sie mir mehr über Chet Baker erzählen?
R. Beirach: Chet Baker war ein guter Freund von mir. Er war leider schrecklich drogenabhängig. Aber aus irgendeinem Grund hat er mir nie Geld gestohlen oder mich betrogen. Er lehrte mich über Musik, über Dynamik, Intimität und Sensibilität, wie man seine Gefühle in Musik ausdrückt.
Ich schrieb viele Stücke für Chet, z. B. “Broken Wing” und “Leaving”, die er sehr oft eingespielt hat. Wissen Sie, Chet war damals sehr berühmt. Manchmal gibt es so einen Musiker, und es entsteht ein Mythos um ihn. Es kamen immer neue CDs dazu. Er hat Broken Wings mindestens hundert Mal eingespielt, und ich bekomme Tantiemen für die Songs. Und Chet spielte wunderbar, ein Naturtalent...
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