Wer ist Lili Lameng? Wo kommt sie her und was hat sie bisher gemacht?
Lili ist Saxophonistin, jetzt 35, und lebt in Leipzig. Bevor sie sich ganz der Musik verschrieb, war sie eine kurze Zeit Schneiderin. Sie beschlie�t, endlich mehr aus sich und ihrem Leben zu machen.
Die Suche nach dem Mann f�rs Leben hat sie gerade eingestellt.
Beruflich geht es langsam voran. Lili hat mit ihren Kollegen Ben und Tommi eine Demo-CD aufgenommen und hat Engagements, von deren Existenz sie vorher wenig wusste: Gig im Autohaus! Mit den PRETTY PRINCESSES auf der Baustelle! Durch ihren Sch�ler Klaus wird sie Gr�ndungmitglied der Countryband WILD HORSES. Und sie hilft im Berliner Damenorchester SUGAR BABIES aus. Die fahren vielleicht sogar zum Auftritt nach Kasachstan!
Zwischendurch schwelgt sie in Gaumenfreuden, liest oder k�mmert sich um das zweij�hrige Nachbarskind Mathilda.
Was bisher geschah:
Mittwoch, 1. November 2006
Geburtstagsbeschl�sse
Mein Name ist Lili Lameng. Ab heute - unumst��licher Beschluss - wird alles anders: Ich schreibe Tagebuch. Ab heute, meinem 35. Geburtstag. Alle sieben Jahre passiert etwas Neues. Das sind jetzt f�nf mal sieben Jahre.
Schluss mit den Ausreden. Vielleicht ist jetzt schon Halbzeit, ich habe immer noch keine Platte eingespielt, und meine Nachfahren haben nicht einmal die Chance zu erfahren, wieso es damit so lange gedauert hat. Die Hoffnung habe ich ja noch nicht aufgegeben, auch wenn andere in meinem Alter schon zig Aufnahmen mit den ganz Gro�en gemacht hatten.
Fazit: Die Uhr tickt und nicht nur in Bezug auf die Platte.
Heute Abend ist erstmal Session im Blue Note, da kommt ja vielleicht Eddie, der soll sich ein Studio eingerichtet haben. Besser w�re nat�rlich, ich w�rde entdeckt. Beziehungen brauche ich da, und zwar die richtigen�
Donnerstag, 2. November 2006
Session
War sch�n gestern. Habe zwar nur in einem Set mitgespielt, da fehlte mir wieder der Mut, weil Carlos da war, und der ist ja nun mal DER � Na, die Jungs spielen eben am liebsten unter sich, und Carlos spielt ja nun mal ziemlich gut, das geht einfach unter die Haut. Der hat den Groove einfach mit der Muttermilch eingesogen, wie man so sagt. Und wenn er sich dann beim Solo so ganz selbstvergessen bewegt�
Ich dagegen kannte bis f�nfzehn nur die Schlagerparade und die Klassikplatten meiner Eltern� Aber was soll das Jammern, ich habe mein Jazzstudium ja trotzdem fast bis zum Schluss durchgezogen.
Eddie war nicht da, da hat er meine Geburtstagsrunde verpasst (die Gage vom letzten Gig�).
So, heute ist Unterrichtstag, sechs Sch�ler an der Musikschule, gleich muss ich los.
Freitag, 3. November 2006
Schicksal einer Zahnb�rste
Ge�ndert hat sich seit Mittwoch nicht so viel, aber immerhin habe ich ja gestern unterrichtet. Die Kinder sind wirklich s��, auch wenn sie kaum �ben, aber mein erwachsener Sch�ler, der Staatsanwalt - Klaus - geht mir ganz sch�n auf die Nerven. Jetzt f�ngt er auch noch an, eigene Lieder mit schmalztriefenden Texten zu schreiben. Zum Gl�ck kommt nach ihm immer noch ein Sch�ler und ich bin nach 45 Minuten erl�st.
Meine Tat des Tages: Ich habe Sp�le, Waschbecken und Klo an empfindlichen Stellen mit Chlor und Peters Zahnb�rste sauber gemacht. Damit habe ich Peter und seine Zahnb�rste entsorgt. Ich brauche keinen verheirateten Gelegenheitslover mehr, daf�r bin ich mit 35 zu alt!! (Trotzdem, danke, Peter, mit dir konnte ich mir einige geheime W�nsche erf�llen�)
Jetzt m�sste eigentlich Ersatz her, aber wie? Die Dringlichkeitsstufe ist jedenfalls noch niedrig: ich muss mich auch mal auf mich selbst besinnen. Vielleicht sollte ich mit Meditation oder Yoga anfangen, auf jeden Fall aber mal drei Kilo abnehmen, dann sehe ich auch auf der B�hne besser aus.
Samstag, 4. November 2006
Kater und Perspektiven
Habe einen Brummsch�del, nicht nur wegen des Gewitters heute Nacht. Wir - Tommi, Ben und ich - sind nach der Session im Lila Salon in der Silberzwiebel versackt. Das ist auch wirklich die letzte Kneipe, jedes Mal schw�re ich mir,
keinen Fu� mehr da hineinzusetzen, aber die Jungs sind einfach prima Kumpels und die Session war auch gut besucht, so dass f�r uns auch ein bisschen was dabei heraussprang - das hat aber jetzt die Silberzwiebel. Auch so ein Punkt,
besser mit dem Geld und der Gesundheit umgehen. Bei dem Sch�del kann ich jetzt erst mal nicht �ben, vielleicht heute Nachmittag.
Bin mal gespannt, ob die �ltere Lady aus dem Publikum uns tats�chlich f�r ihre Geburtstagsparty bucht. Wenn es danach geht, wie teuer, wie ihre Klamotten aussahen, dann k�nnte es was werden. W�re auch dringend n�tig, die Anfragenlage ist prek�r.
Peter hat auf den AB gesprochen. Er will an “unserem” Dienstagabend vorbeikommen. Er wei� ja nat�rlich noch nichts vom Schicksal seiner Zahnb�rste. Ich m�sste jetzt mal deutliche Worte sprechen. Immerhin ist er ein guter Liebhaber, aber eben gewissenlos und eigentlich ansonsten langweilig. Mal sehen, wie ich die Kurve kriege. Ihn so in Reserve zu haben, w�re vielleicht auch nicht �bel, aber inkonsequent. Und damit soll ja jetzt Schluss sein. Plan: Ich rufe ihn am Montag an, vorher geht ja sowieso nicht, wegen Peters Frau und den beiden Kindern…
Montag, 6. November 2006
Samstagsblues
Samstag war so ein richtiger Blues-Tag. Mittags war ich dann noch in der Stadt, weil ich am Wochenende zu Hause was zum Essen brauchte. Susanna von nebenan hatte mich auch gebeten, f�r ihre Kleine B�cher in der Stadtbibliothek
abzugeben und neue auszuleihen. Als allein erziehende Mutter schafft sie so was nicht immer selbst. Als ich dann in der Kinderb�cherei nach Lesestoff f�r Mathilda suchte, fiel mir als Erstes ein Buch mit dem Titel: ICH H�TTE SO GERNE EINE EIGENE MUTTER in die H�nde. Da ich ja Mathilda nicht unzensiert B�cher mitbringe, habe ich es gelesen: Ein kleines M�dchen w�chst im Heim auf, kommt in eine Familie, die schon einen kleinen Sohn hat, und kann ihr Gl�ck gar nicht fassen: Ein Zimmer f�r sich allein, eigene Kuscheltiere, eine Frau - die neue Mutter - , die nachts zu ihr l�uft, wenn sie aus b�sen Tr�umen erwacht, Essen, soviel sie will. Nach einer Weile begreift sie, dass sie geliebt wird und eine Familie f�r sich hat. Ich war so ger�hrt, dass ich fast weinen musste. F�r Mathilda ist das zu traurig, auch wenn es nat�rlich f�r das kleine M�dchen gut ausging.
Dann ging es so weiter, ich dachte beim Marktgang an den desolaten Zustand meines Bankkontos, und prompt fiel mein Blick auf eine �ltere Frau, die an einer Ecke sitzend bettelte. Da sch�mte ich mich� Dann kam mir eine Frau mit einem Klumpfu� entgegen. Wie gut ich es doch habe! Und auf dem Nachhauseweg fuhr ich mit meinem Rad an einer blinden Frau vorbei, die geduldig an einer Stra�enecke wartete, wohl, um von jemandem abgeholt zu werden, hoffentlich! Denn ich bin ja auch nicht stehen geblieben, um ihr meine Hilfe anzubieten. - Wenn es bei mir mal besser l�uft, will ich wirklich endlich anfangen, andere zu unterst�tzen.
Das war noch nicht alles. Ich hatte dann einige Tierb�cher zum Angucken f�r Mathilda im Gep�ck, auch eins mit dem Titel OPAS ENGEL von JUTTA BAUER (Carlsen, Hamburg, 2001), das ich �berflogen und wegen der sch�nen Zeichnungen ausgesucht hatte. Mathilda wollte gleich etwas vorgelesen bekommen, und ich las ihr OPAS ENGEL vor:
Ein kleiner Junge besucht seinen Opa im Krankenhaus, und der erz�hlt ihm, was f�r ein Gl�ck er im Leben hatte, trotz Armut, Krieg und Hunger. Beim Erz�hlen seiner Lebensstationen sieht der Leser, dass es immer der Schutzengel des Opas war, der f�r ihn alles zum Guten gewendet hat. Manchmal kann auch der Engel nicht helfen und h�lt sich besch�mt die H�nde vors Gesicht. Am Ende hei�t es “Gro�vater wurde m�de und schloss die Augen.” Der Schutzengel k�mmert sich von nun an um den kleinen Jungen.” Nass geweint sa� ich neben Mathilda, sie hat das gar nicht gemerkt�
Abends war ich dann sehr d�nnh�utig. Im Blue Note war nachts nach dem Konzert einer Band aus Frankfurt noch eine kleine Session. Ich habe nur einen Titel mitgespielt, YOU GO TO MY HEAD, auch so richtig sch�n traurig, und ich bekam auch viel Applaus, der tr�nenreiche Nachmittag hat sich dann doch gelohnt.
Sonntag war dann gar nichts los, ich habe mal Klamotten aussortiert und mit Franka und Silke in Berlin telefoniert. Da l�uft’s auch nicht so toll. Und gleich muss ich Peter wegen morgen oder besser “morgen nicht und auch sonst nicht mehr” anrufen�
Dienstag, 7. November 2006
Pilzsaison
Ich bin so ein Feigling, ohne R�ckrat, berechnend und unentschlossen!! Peter hat vorgeschlagen, mich in mein Lieblingsrestaurant auszuf�hren, das CUISINES DU MONDE, da gibt es jetzt zur Zeit Leckereien zum Thema Pilze� Ich konnte nicht widerstehen. Na, ich nehme es dann einfach als unser Abschiedsessen und kaufe eine neue Zahnb�rste. Ich kann es ihm ja morgen fr�h sagen. So, schnell was Pr�sentables anziehen, gleich kommt er.
Mittwoch, 8. November 2006
Aus f�r Peter
Hilfe, das habe ich �berstanden! Nicht das Wildkr�uters�ppchen, die Pfifferlinge mit Variationen vom Wild und die Cr�me brul�e, das war vom Feinsten! Von dieser Erinnerung muss ich jetzt ein Weilchen zehren. Nein, die Sache mit Peter. Nach dem Essen habe ich mich langsam vorgetastet, ihn - das mag er gar nicht - nach dem Ergehen der werten Gattin befragt und dann vorgegeben, ein dauerhaft schlechtes Gewissen zu haben und das Dreiecksspiel nicht mehr l�nger auszuhalten. Die Nacht war dann auch weniger erfreulich, und nach dem Fr�hst�ck habe ich Peter dann endg�ltig verabschiedet und gleich danach mein neues Leben mit einer Runde autogenem Training begr��t, eine Stunde Skalen ge�bt und einen Auftrag entgegen genommen: Am kommenden Dienstag spielen Tommi, Ben und ich bei der Party der Lady von der Session vom letzten Freitag.
Dann bin ich mit Gurkenmaske in die Wanne gegangen, habe mir einen Mittagsschlaf geg�nnt und freue mich jetzt auf die Session heute Abend im Blue Note!
Donnerstag, 9. November 2006
Ab ins Studio
Mein neues Leben hat angefangen! Gestern war die Session ein voller Erfolg! Ob es an der Gurkenmaske, dem Mittagsschlaf oder dem �ben lag - keine Ahnung. Ich habe ein ganzes Set mit Carlos gemeinsam gespielt, auch ein paar fr�hliche double-time St�cke, und dabei einige bewundernde Blicke aufgefangen, einer davon sogar von Carlos himself. Am Ende dann machte mir die Gis-Klappe wieder zu schaffen, und so habe ich mich den Rest des Abends mit Eddie unterhalten.
N�chste Woche machen wir mal eine Aufnahme in seinem neuen Studio, erstmal ein Song umsonst, der Rest ist dann Verhandlungssache. Jetzt muss ich noch �berlegen, was f�r Songs wir einspielen, Ben und Tommi sind auf jeden Fall mit von der Partie, schlie�lich sind wir ein Team, und ganz ohne Begleitung kann ich ja nicht sein. - So, jetzt mach’ ich mir noch einen starken Kaffee, und dann geht’s los in die Musikschule.
Freitag, 10. November 2006
Von Cowboys, Rentieren und Blondinen
Das war ein Tag! - Erst das Unterrichten: Klaus hat jetzt sein Faible f�r Country - und Western entdeckt. Vielleicht sollte er lieber Gitarre lernen, aber er ist der �berzeugung, gerade mit dem Tenorsax h�tte er die besten Chancen, als was ganz Besonderes gro� herauszukommen. Au�erdem will er seine Texte nat�rlich selbst singen. Die Stunde ging f�r folgenden Deal drauf: Er zahlt mir die Studiozeit bei Eddie, ich spiele Soli auf Klaus’ pers�nlicher Aufnahme, die er dann seinen Freunden und Kollegen zu Weihnachten schenkt. Da m�ssen wir uns direkt beeilen, der Weihnachtsmann steht ja fast schon vor der T�r. Und bis Klaus dann ber�hmt ist als der Saxophon spielende und singende Cowboy-Staatsanwalt, wird er das Improvisieren ja garantiert gelernt haben.
Ich muss wirklich endlich den Absprung in andere Sph�ren schaffen, sonst werde ich in dem Gesch�ft noch wahnsinnig.
Na, Klaus gab damit den Auftakt f�r die Weihnachtszeit. Ich habe mit den anderen Sch�lern dann gleich schon mal angefangen, f�r den h�uslichen Auftritt unterm Weihnachtsbaum RUDOLPH, THE RED NOSED RAINDEER zu �ben.
Es kam noch dicker. Auf dem Weg nach Hause geriet ich in die Euphorie der Neuer�ffnung von CULINARIA. Da dort Livemusik aus dem Untergeschoss erklang, wurde ich neugierig. Vielleicht g�be es dort ja kleine leckere Gratish�ppchen.. Auf die hatte ich dann aber keine Lust mehr, es gab sowieso nur K�se auf Zahnstochern und S�ppchen in Pappbechern.
Die Livemusik stammte aus den gl�nzenden Saxophonen einer sogenannten MARCHINGBAND, alle einheitlich in wei�e Polyesteranz�ge gekleidet, High Heels inbegriffen, sonnenstudiogebr�unt, rhythmisch nicht ganz sicher, daf�r aber alle blond und langhaarig. Ich habe mich gesch�mt, musste ich zwar nicht, schlie�lich stand ja nicht ich da mit wippendem Saxophon, aber ich verdiene mein Geld ja auch mit diesem Instrument und habe immerhin auch langes, bei Regen gewelltes Haar.
Das Publikum, ein Gro�teil im Rentenalter, war allerdings begeistert. Wer konnte, hatte die Digitalkamera gez�ckt. Damit ist den langhaarigen Sch�nheiten Anerkennung im erweiterten Familienkreis der CULINARIAkunden gewiss. Da war es auch besser, dass nicht wirklich marschiert wurde, sondern eher mit den H�ften gekreist, sonst w�ren die Fotos am Ende noch verwackelt.
Was mir aber zu denken gab, war die Gage, die mir eine der Damen nach dem Einsatz - ich konnte mich von dem Szenario nicht so schnell l�sen, wie ich es ehrenhalber h�tte tun m�ssen - verriet. Jede dieser Schicksen bekamen an dem Tag 600 Euros f�r diese Peinlichkeit. Ich muss mein Selbstbild als Musikerin noch mal �berdenken!
So, heute Abend ist Lila Salon angesagt. Da muss ich mich noch ein wenig entspannen und zurechtmachen. Vielleicht ist ja Carlos da.
Samstag, 11. November 2006
Glitzern hilft
Gestern Abend war sehr lehrreich. Ich hatte mir mal richtig M�he mit meinem Outfit gegeben, mal keine schlabberige Cargohose, daf�r eine knallenge schwarze Jeans und ein enges rotes Glitzershirt. Und tats�chlich kam es mir so vor, als h�tte ich entweder besser als sonst gespielt - die Gis-Klappe flutschte auch nur so - oder eben durch meinen zur Schau gestellten Liebreiz mehr Aufmerksamkeit als sonst bekommen. Das gilt zumindest in Bezug auf das zahlende Publikum im Lila Salon, das ja nicht direkt vom Fach ist. Ein rundb�uchiger Herr steckte mir dann auch glatt 20 Euro Trinkgeld zu und m�chte, dass ich zum Sektempfang in seinem Autohaus am kommenden Sonntag soliere. Das habe ich zwar noch nie gemacht, aber was soll’s. Ich dachte nur an die Schnepfen im Anzug und habe f�r einen halbst�ndigen Einsatz 250 Euro verlangt. Und das war gar kein Problem, ich fasse es nicht! Jetzt muss ich mir nur noch ein kleines Programm zurechtlegen. Damit fange ich dann gleich mal an.
Carlos war auch da, wir haben uns einmal l�nger als sonst in die Augen gesehen, er ist einfach wahnsinnig gut aussehend mit seinen engen, schwarzen T-Shirts, die seine Muskeln so gut zeigen. Zum Gl�ck war er gerade mit Tommi drau�en eine rauchen, als ich mit dem Dickb�uchigen sprach.
Montag, 13. November 2006
Carlos und mein Kuchen
Das war ein Wochenende! Samstag lief noch ganz gem�tlich an. Nach einer ausgiebigen Siesta, in der mich ein Traum mit Carlos in der Hauptrolle begl�ckte, habe ich zwei Stunden auf Mathilda aufgepasst. Susanna musste dringend ein wenig Schlaf nachholen, und Mathilda kommt gerne zu mir. Wir haben die Zeit genutzt, um zu backen, meinen Lieblings-Schokoladenkuchen. Ich hatte schon so eine Vorahnung, dass ich am Wochenende Energiereserven ben�tigen w�rde.
Hier, liebe Nachfahren, ist das Rezept (der Anfang einer Sammlung, die k�nnt ihr dann, wenn ich sonst nichts zu vererben haben sollte, unter dem Titel LILIS SAMMLUNG F�R VERW�HNTE LECKERM�ULER ver�ffentlichen):
150 g Zartbitterschokolade
250 g Butter
250 g Zucker
4 mittelgro�e Eier
170 g Mehl
1 P�ckchen Schokoladenpuddingpulver
60 g Kakao
1 P�ckchen Backpulver
120 ml Milch
1 Glas abgetropfte Sauerkirschen
etwas Orangensaft
Puderzucker zum Bestreuen
Und so geht`s:
1. Schokolade hacken. Butter mit Zucker verr�hren, dann die Eier nach und nach dazugeben, und zwar bis der Zucker gel�st ist. Mehl, Kakao, Puddingpulver und Backpulver vermengen. Dieses Gemisch mit der Milch unter den Teig r�hren.
2. Backform (rund oder eckig) mit Backpapier auslegen, Teig einf�llen, die Kirschen draufgeben. Kuchen auf der Mittelschiene des Backofens bei 180 Grad 1 Std. backen.
3. Nach dem Backen den Kuchen in hei�em Zustand mit Orangensaft tr�nken. Wenn er abgek�hlt ist, Puderzucker darauf streuen.
Als der Kuchen dann im Ofen war, habe ich Bekanntschaft mit BOBO gemacht, der Hauptfigur aus Mathildas neuem Lieblingsbuch, BOBO SIEBENSCHL�FER, von Markus Osterwalder (Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Taschenbuchverlag, 1984). Sehr lebensnah, was so ein kleines Siebenschl�ferkind alles tut, w�nscht und erlebt. Nachdem wir drei Mal BOBOs Abenteuer nachvollzogen hatten und der Kuchen fertig war, ging ich mir der Kleinen noch kurz nach drau�en zum Spielplatz, und siehe da, Bens Freundin mit ihrem kleinen Max war auch da und lud mich zu der Vernissage ihrer Freundin Tina am Abend ein.
Tina macht ausgefallenen Schmuck, sagte Bens Ina, und da mir ja so was auch gef�llt und ich nichts weiter zu tun hatte - mal abgesehen von der Vorbereitung des Programms f�r das Autohaus - sagte ich zu.
Nun war es ja schon gegen f�nf Uhr nachmittags, Zeit also, Mathilda ihrer Mutter zu �bergeben und mich auf das Abendprogramm vorzubereiten. Also erstmal Teatime mit meinem Schokoladenkuchen. (Mathilda hatte nat�rlich vorher ihren Teil mitbekommen!) Dabei las ich mein Horoskop. Mein Thema sei es, so las ich, “Wunsch und Wirklichkeit auf einen Nenner zu bringen”, denn ich bef�nde mich in einem Schwebezustand, “in dem nichts passiert”, und das l�se Unzufriedenheit bei mir aus. - Stimmt ja irgendwie�
Und US-Historiker Carl Sandburg wurde zitiert: “Nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht.” Ganz sch�n wissenschaftlich, so ein Horoskop, ob die von meinem Carlostraum wussten?
Na ja, dachte ich, erstmal heute Abend sch�n entspannen und morgen die anstehenden Projekte angehen.
Um acht also fuhr ich mit dem Rad zur Vernissage, die in einem Hinterhofsatelier stattfand. Ich hatte mich auch entsprechend hergerichtet: Haare wild aufgesteckt, die fette gr�ne Perlenkette und ansonsten alles in Schwarz: Ministrickkleid, schwarze Strumpfhose und Stiefel. Dazu den 70er Jahre G�rtel, den ich Mama bei meinem letzten Besuch abgeschmeichelt hatte.
Als ich so um halb neun da war, war die Vernissage auch schon im Gange. Und wer spielte da zur Er�ffnung: Ben und Carlos mit seinem Fl�gelhorn! Zum Gl�ck hatte ich mir ein paar Gedanken �ber mein Aussehen gemacht. Ben h�tte allerdings auch mich fragen k�nnen, ob ich zur Vernissage spiele. Doch sicher fand Tina Carlos f�r den Anlass geeigneter, kann ich ihr nicht verdenken�
Der Fu�boden war trendig mit Papier aus dem Rei�wolf bedeckt, und der Schmuck lag in kleinen Vitrinen aus. Das bildungsb�rgerliche Publikum wandelte mit Wei�wein in Plasikbechern umher und kommentierte fachkundig die Exponate, etwas, was ich hasse. Es ging ja sowieso nur darum, gesehen zu werden und vielleicht - sollte der werte Gatte spendabel sein - sp�ter mit einem Original um den Hals oder am Finger zu protzen.
Trotzdem gefiel mir Tinas Schmuck, und sie brauchte ja auch Kunden f�r ihre Kreationen, die ich mir bis jetzt nicht leisten kann.
Die Welt ist klein: Peter mit Gattin - sie einen Ring anprobierend - war auch zugegen. Mir hat er eigentlich nie was geschenkt, jedenfalls nicht Bleibendes, ich will ja nicht undankbar sein, im CUISINES DU MONDE war es immer lecker. Peter err�tete, als er mich sah, und versuchte dann, mich zu ignorieren. Von mir aus, ich hatte schlie�lich ihn abserviert.
Ich war jetzt schon beim zweiten Glas Wei�wein, denn ich hatte niemanden zum Reden. Ina sprach mit Tina, Ben und Carlos spielten - ganz sch�n sexy, so ein Fl�gelhorn - und Peter samt Gattin waren ja tabu. Da ging ich lieber Mal auf die Toilette, um den Lippenstift zu checken. Durch die Saxophonspielerei bin ich nicht so sehr versiert in dessen Applikation, denn ich will ja im normalen Leben nicht mein Blatt am Mundst�ck verderben. Der Blick in den Spiegel best�tigte meine Bef�rchtungen: eine umgehende Korrektur des Lippenrots war vonn�ten. Der Wei�wein hatte mich schon etwas benommen gemacht. Ich ging erst auf die Toilette und widmete mich dann meinen Lippen. Als ich mich wieder unter die Leute mischte, fing ich einige befremdete Blicke auf. Ich l�chelte zu Carlos hin�ber, denn die Beiden legten gerade ihre Instrumente ab und steuerten zur Wei�weintheke in meine Richtung. Bens Begr��ung war: “Schickes Kleid, tr�gst du es immer so gewickelt?” Was meinte der? Als ich an mir hinunterblickte, bemerkte ich, dass sich das Minikleidchen nach dem Toilettengang hinten in der Strumpfhose verfangen hatte. Zum Gl�ck war die blickdicht! Hastig korrigierte ich das Missgeschick und nahm dankbar von Carlos - was f�r ein Kavalier - einen weiteren Plastikbecher Wei�wein entgegen. Wir beschlossen, nach der Vernissage noch in den Lila Salon zu gehen, nur so zur Entspannung.
Nach meinem vierten oder f�nften Becher Wei�wein war der Einsatz meiner Kollegen beendet. Wir genehmigten uns dann noch ein gemeinsames Abschiedsbecherchen, ich bedankte mich bei Tina oder Ina - oder bei Beiden? - f�r den Abend und dann zogen wir los in den Lila Salon. Benn lie� sich von seiner Ina, die nur leicht angeheitert war, im Auto hinchauffieren, und ich hatte das Vergn�gen, mit Carlos, seinem Fl�gelhorn und meinem Fahrrad unterwegs zu sein. Carlos fuhr das Gef�hrt, das Fl�gelhorn umgeh�ngt, und ich sa� auf dem Gep�cktr�ger, die Arme um Carlos’ drahtige Mitte geschlungen.
Meine Erinnerung wird nun bruchst�ckhaft. Wir erreichten gut gelaunt den Lila Salon. Dort spielte ein Boogie Woggie Trio aus dem Umland, na ja. Jedenfalls waren Ben und Ina zunehmend miteinander besch�ftigt, Carlos und ich r�ckten immer n�her zusammen, und es kam die Rede auf Gen�sse aller Art, angefangen von der k�stlichen Margarita, die wir zu uns nahmen. Als ich dann meinen Schokoladenkuchen erw�hnte, forderte Carlos spontan, diesen unbedingt probieren zu m�ssen. Nun, gesagt, getan, mein Fahrrad brachte uns treu zu mir nach Hause. In der K�che verschlang Carlos ohne Umst�nde drei St�cke meines g�ttlichen Geb�cks, und dann f�hlte ich mich nicht mehr ganz so wohl. Im Bad musste ich mit Schrecken feststellen, dass sich mein Lippenrot vollst�ndig verfl�chtigt hatte, aber unter Bl�sern spielte das vielleicht keine Rolle. Ich hatte nur das dringende Bed�rfnis, mich �ber die Klosch�ssel zu beugen. Das brachte eine kleine Erleichterung und w�rde hoffentlich den Kater am n�chsten Morgen in Grenzen halten. Nachdem ich mir geistesgegenw�rtig die Z�hne geputzt, Zungenreiniger und Munddusche eingesetzt hatte - Zahnpflege ist mir wichtig, zumal vor Situationen mit amour�sem Potential - ging ich zu Carlos. Der war aber gar nicht mehr in der K�che, sondern hatte sich einfach in mein Bett gelegt, ausgezogen, nur mit Unterhose bekleidet. Das konnte ich sehen, weil er die Decke kokett zur�ckgeschlagen hatte. Er l�chelte mir zu und breitete die Arme aus. Etwas unbeholfen kletterte ich zu ihm, lie� mir von ihm beim Ausziehen helfen. Ich wei� noch, wie wohl ich mich in seinen Armen f�hlte. Er riecht so gut nach Mann� und ich muss dann wohl eingeschlafen sein. Gestern Morgen jedenfalls fehlten Carlos und der Gro�teil meines Schokoladenkuchens - peinlicher geht es nicht. Wie soll das weitergehen?
Gestern br�tete ich haupts�chlich �ber dieser Frage, leider ohne befriedigendes Ergebnis.
Silke in Berlin konnte w�hrend eines ausf�hrlichen Gespr�chs auch nicht wirklich weiterhelfen. Sie spielt jetzt als zweite Trompete in einem Damenorchester, auch spannend. Jedenfalls liegen einige Auftritte bei Galas in Hotels vor ihr.
Dann habe ich saubergemacht. Eine ordentliche Umgebung soll ja den Geist von Ballast befreien. Die Songs f�r das Demo habe ich auch festgelegt, und jetzt muss ich noch einen Plan f�r den Einsatz im Autohaus machen.
Dienstag ,14. November 2006
Buchhaltermodell
So, mir geht es schon wieder besser. Zwar hat Carlos angerufen und mir gesagt, mein Kuchen sei der beste, den er seit langem gegessen habe. Er habe sich erlaubt, seiner Freundin!! ein St�ck mitzunehmen - einfach unglaublich, aber ich habe einfach keine Energie, mich dar�ber aufzuregen. Ich habe mich h�flich bedankt und ihm das Rezept versprochen (Das bekommt er nie!).
Carlos ist zwar das Bild von einem Mann, doch ich habe mir einfach noch mal seine Unterhose vor das innere Auge gerufen: Hahnentritt, gelb-grau gemustert, in Dunkelblau eingefasst, Buchhaltermodell, wahrscheinlich im Sechserpack g�nstig erstanden, verwaschen war sie auch. Wer so was tr�gt, ist mich nicht wert. Soll er doch seine Freundin - wer kann das sein? - mit seinen Dessous erfreuen.
Ich habe jetzt Wichtigeres vor, denn heute Abend ist der Einsatz beim 50. Geburtstag der Dame aus dem Lila Salon. Ich muss mich um ein umwerfendes �u�eres und eine funktionierende Gis-Klappe k�mmern.
Mittwoch, 15. November 2006
Pretty Princesses
Meine G�te, was es so gibt! Meine Kollegen und ich sind also p�nktlich vor Partybeginn beim Geburtstagskind gewesen. Frau Bernh�fer - so hei�t die Dame - war schon ganz aufgeregt. Wir sollten auch gar nicht soviel spielen, wie sie urspr�nglich gedacht hat und einfach nach zwei Sets mit ihr und ihren G�sten feiern. Letzteres konnten wir uns gar nicht so gut vorstellen, aber routiniert gaben wir uns sehr erfreut. Mit der verk�rzten Spielzeit hatte es folgende Bewandtnis: Die Tochter des Lebensgef�hrten von Frau Bernh�fer, Schulmusikstudentin Cindy, hatte als Geschenk einen eigenen Auftritt mit einer Freundin geplant. Uns sollte es ja Recht sein.
Die G�ste kamen, Ben, Tommi und ich (schwarze Hose, Glitzershirt in Rot) gaben unser Bestes, und feine Canap�es und echten Champagner gab es auch f�r uns. Dann wurde uns ein besonderes Erlebnis zuteil. Wir durften die PRETTY PRINCESSES erleben, eben Cindy und ihre Freundin Meike. Die Beiden stachen mich nat�rlich rein �u�erlich gesehen mit ihren Paillettenkleidern in Pink, aus denen stolz die hochgedr�ckten Dekollet�s quollen, und den Haarteilen im blondierten Haar aus. Ihre Show war jedoch musikalisch gesehen l�cherlich, aber wirksam. Die Prinzessinnen hatten sich ein Halbplayback-Programm zurechtgelegt, zu dem sie immerhin zweistimmig - in Terzen - neuere Hits vortrugen und sehr koordiniert mit den H�ften rotierten, manchmal unterbrochen von Wechselschritten, die dann die Qualit�t ihrer Beine vorteilhaft ins Licht setzten.
Frau Bernh�fer applaudierte h�flich mit, musste sich aber dann um ihre Freundinnen k�mmern. Deren Begleiter jedoch huldigten fasziniert den Prinzessinnen.
Wir waren auch h�flich und h�rten uns das Programm zu Ende an. Dann machte Herr Mann, Frau Bernh�fers Lebensgef�hrte, den Vorschlag, dass wir doch mir den Adelst�chtern zusammen arbeiten sollten, dann h�tten diese doch eine qualifizierte Livebegleitung. Sehr nett gemeint, Frau Bernh�fer hatte bis dahin auch noch nicht daran gedacht, uns die Gage auszuh�ndigen. Also gab ich den M�dels beflissen meine Telefonnummer. Dann wandte ich mich aber charmant an die Auftraggeberin, um unseren Abschied einzuleiten. Wir bekamen auch sofort mit herzlichem Dank den Umschlag mit der Gage �berreicht.
Auf dem R�ckweg lie�en wir noch mal die PRETTY PRINCESSES vor unserem geistigen Auge Revue passieren. Ben wollte mehr �ber den Abend mit Carlos wissen, aber ich erz�hlte nur was von Kuchenessen und lie� mich dann zu Hause absetzen.
Carlos� ein Thema f�r sich. Eigentlich habe ich die Sache mit ihm f�r mich abgehakt, und dabei soll es auch bleiben. Also, heute Abend gehe ich zur Session ins BLUE NOTE. Da werde ich ganz k�hl und professionell sein.
Donnerstag, 16. November 2006
Die P�dagogin
So, heute war Unterrichtstag. Klaus hat mir seinen neuesten Song, LONELY ON THE ROAD, vorgetragen. Er tr�gt jetzt in seiner Freizeit, bei mir im Unterricht also, Cowboystiefel. Ein Freund von ihm hat drei Songs von ihm zu Papier gebracht, und schon n�chste Woche will er zu Eddie ins Studio. Au�er mir hat er gleich noch Tommi und Ben gebucht� Das kann ja was werden.
Die kleinen Sch�ler spielen ihren RUDOLPH THE REDNOSED RAINDEER zum Teil schon ganz gut, und zwei durften schon mit WHITE CHRISTMAS anfangen. Immerhin, als Musikp�dagogin bin ich erfolgreich! F�r diese nicht neue Erkenntnis habe ich mich dann auf dem R�ckweg mit einem Gang durch das neue CULINARIA belohnt und einen Vorrat an Zartbitterschokolade zum Backen und ein T�tchen Champagnertr�ffel f�r heute Abend erstanden.
Die Session gestern war dagegen nicht so toll. Carlos war anwesend und hat sich auch wie �blich in Szene gesetzt. Ich fand aber, dass er gar nicht so toll spielt. Wir haben uns mir kollegialem Handschlag begr��t und das war�s auch schon.
So, jetzt muss ich mich sammeln, erstmal Yoga und dann mentale Vorbereitung auf die Studioeinspielung bei Eddie morgen fr�h. Dann muss ich mir auch endlich ein Programm f�rs Autohaus zurechtlegen und mit vor allem �berlegen, wie ich mich dort verhalten soll � ich, sozusagen als lebendes Ausstellungsst�ck.
Freitag, 17. November 2006
Demo
So, das hat gut getan! Gerade bin ich der Badewanne - Rosen�lbad, ein Geschenk von Silke zu meinem Geburtstag � entstiegen. Der Vormittag war anstrengend, aber ein Erfolg. Wir haben bei Eddie MY SHIP, IT DON�T MEAN A THING und ONE NOTE SAMBA eingespielt. Das m�sste f�r ein erstes Demo gen�gen. Eddie bearbeitet unsere Einspielung noch mal, und n�chste Woche haben wir sie schon in der Hand.
Eddie sehen wir ja dann sp�testens Dienstag wieder, weil dann der Einsatz f�r Cowboy Klaus stattfindet. Die Noten hat Klaus uns schon gemailt, da ist er sehr auf Zack! In der Mail hie� es auch, er wolle sp�ter noch ein Fotoshooting organisieren, er und seine Band WILD HORSES � das sind dann wohl wir � im Reitstall seiner Frau.
So, schnell noch ein paar Posen und Songs f�rs Autohaus �ben und dann ab in den LILA SALON.
Samstag, 18. November 2006
Rumpelstilzchen und Karrierechancen
Gut, dass ich gestern noch im LILA SALON war. Ich bin von Carlos f�r einen gemeinsamen Gig angefragt worden. Dass nun Carlos gefragt hat, ist mir inzwischen egal, aber Gig ist Gig. Allerdings kommt es bei der Sache nicht darauf an, wie genial ich improvisiere oder auch nur Noten vom Blatt abspiele. Ich soll mit anderen, also zum Beispiel Maestro Carlos, zu Vollplayback eine Bigband in einer Fernsehshow mimen. Und � Hilfe! � es geht um Volksmusik. Doch was soll�s, f�r Geld mache ich fast alles, zumal es auf meinem Konto verheerend aussieht. Der �bern�chste Freitag ist damit verplant.
Auch sonst habe ich mich heute schon mit der deutschen Kultur auseinander gesetzt: Susanna hat Mathilda heute Vormittag kurz bei mir abgeliefert. Mathilda hatte Kurzfassungen Grimm�scher M�rchen dabei, unter anderem RUMPELSTILZCHEN. Mir war gar nicht klar, was f�r eine schreckliche Geschichte das ist. Zuerst ist davon die Rede, dass der arme M�ller nichts BESITZT au�er seiner Tochter. Die �berl�sst er statt seiner Steuerzahlung dem K�nig, weil sie angeblich aus Stroh Gold spinnen kann. Rumpelstilzchen kommt ihr da zur Hilfe, um das Unm�gliche zu vollbringen, aber nur gegen Bezahlung. Und als das M�dchen dann dem goldgierigen K�nig in einer dritten Nacht einen ganzen Saal mit zu Gold versponnenem Stroh f�llen soll und nichts Materielles mehr zum Tausch besitzt, da wird es ganz unglaublich. Sie muss Rumpelstilzchen f�r seine Dienste versprechen, ihm das erste Kind, das sie einmal haben wird, zu �berlassen.
Der K�nig ist auch scheint zu merken, dass er mit dem Saal voller Gold etwas weit geht und verspricht dem M�dchen die Heirat mit ihm. Und tats�chlich h�lt er sein Versprechen. Ich h�tte ihn nicht haben wollen, w�re ich die M�llerstochter, dann h�tte ich lieber das Gold aus der dritten Nacht selbst haben wollen.
Ja, und dann wird geheiratet und die junge K�nigin bekommt ein M�dchen, das sie dann Rumpelstilzchen �bergeben soll. Der immerhin gibt ihr noch einen Chance, das Kind behalten zu d�rfen, falls sie innerhalb einer Frist seinen Namen herausfindet. Das schafft sie zum Gl�ck mit Hilfe des k�niglichen Personals. Der K�nig selbst befasst sich � zumindest in Mathildas Fassung des M�rchens � gar nicht damit, ob seine Tochter nun dem Zwerg �bergeben werden muss oder nicht.
Susanna wei� wahrscheinlich gar, �ber welche Lekt�re Mathilda da verf�gt. Zum Gl�ck sieht sich die Kleine nur die Bilder an und hat hoffentlich das M�rchen nicht ganz nachvollziehen k�nnen. Ich werde es ihr jedenfalls nicht mehr vorlesen.
Wenn ich so was lese, dann finde ich, dass es mir doch gut geht. Immerhin tauscht mich niemand gegen Schulden ein und es liegt zum gro�en Teil in meiner Hand, was ich aus mir mache.
Also los, Lili! Morgen ist das Solo im Autohaus!!!
Montag, 20. November 2006
Gehversuche
So, ich habe wieder was gelernt. Ich war also gestern p�nktlich eine halbe Stunde vor meinem Einsatz, also gleich nach dem Fr�hst�ck, im Autohaus von Herrn Niemann. Er musterte mich einmal von oben bis unten und schien auch ganz angetan von meinem Erscheinungsbild: Pferdeschwanz, hohe Stiefel (ein Schn�ppchen von ebay, meiner heimlichen Leidenschaft an einsamen Abenden), enge schwarze Hose mit Glitterg�rtel und ein enger Samtbody (Leihgabe von Susanna, leider etwas knapp in der L�nge und deshalb recht sp�rbar im Schritt).
Wahrscheinlich h�tte ich auch das Saxophon zu Hause lassen k�nnen, wenn ich dann entsprechend auf dem neuen Gel�ndewagen � dem eigentlichen Star der Veranstaltung � posiert h�tte.
Fairer Weise gab mir Herr Niemann dann gleich meine Gage und bot mir vorab schon mal ein Schl�ckchen Sekt an. So was kann ich nur schwer ausschlagen, und so war das Gl�schen schnell gelehrt. Jetzt hatte ich aber dummer Weise meinen Halsgurt f�r das Saxophon zu Hause vergessen � schlechte Vorbereitung� Also, schnell improvisiert: Eine Konstruktion aus meinem G�rtel und Haarband waren ein guter Ersatz. Herr Niemann schien allerdings schon etwas verbl�fft, als er mich bei der Demontage des G�rtels beobachtete und dachte wohl, dass ich eigens f�r ihn mein Rapunzelhaar herablie�. So zwinkerte er mir dann auch verschw�rerisch zu.
Es waren schon an die drei�ig Kunden da, und Herr Niemann gab mir ein Startzeichen.
Ich stellte mich f�r mein Solo l�ssig an den Gel�ndewagen, einen Fu� auf dem Trittbrett abgest�tzt. Los ging�s mit BLACK ORPHEUS, Thema vorstellen, improvisieren, dann noch mal das Thema, und ich merkte schon: Der Body sa� nicht mehr so wie vorher. Kein G�rtel mehr zur Festigung� und ZACK! schnappten die Druckkn�pfe auf und man konnte die Gesamtkonstruktion dieses kleidsamen Oberteils bewundern. Herr Niemann hatte es gesehen, ich musste noch BLACK ORPHEUS zum Ende bringen. Was tun? Erstmal wurde ich rot. ZU ENDE SPIELEN! Dann wechselte ich scheinbar kurz die Pose, Bein runter von Trittbrett, war sowieso nicht so bequem, und krempelte die untere H�lfte des Bodys um. So war ich jetzt eben modisch nabelfrei, peinlich. Doch au�er meinem Auftraggeber, der das alles wohl f�r einen Teil einer diskret f�r ihn inszenierten Show hielt, war ich wohl unbeobachtet geblieben. Nun hatte ich wirklich nichts mehr zu verlieren, was sollte sonst noch schief gehen?
Herr Niemann signalisierte mir, dass ich mich doch dem Publikum n�hern sollte. Noch sechs Songs f�r die halbe Stunde. Etwas befangen stellte ich mich neben ein Ehepaar, das sich dem Verzehr seiner Bockw�rste widmete, und wanderte dann � BLUE BOSSA war jetzt dran � zwischen den Stehtischen umher. F�r MY SHIP zog ich mich zu einem roten Cabrio zur�ck, dann noch eine Wanderrunde. Die halbe Stunde war um, Herr Niemann restlos begeistert. Er will mich weiter empfehlen. Ob ich Visitenkarten dabei h�tte? Nat�rlich nicht, ich Trottel. Ob er mich mal privat treffen d�rfe? Danke f�r Ihre Wertsch�tzung, aber ich bin verlobt! Was Besseres fiel mir leider nicht ein. Schnell gepackt und nichts wie weg!
Und weiter geht�s! Gerade hat PRETTY PRINCESS Cindy angerufen. Sie h�tte mich gerne bei einem Gig auf einer Baustelle in der Innenstadt dabei, schon am kommenden Freitag! Ich soll die Prinzessinnen mit meinem Saxophon bei ihrem Halbplayback unterst�tzen. Mach� ich doch glatt, immerhin 280 Euro soll ich daf�r bekommen. Da kann ich mir dann einen eigenen Body leisten. Morgen Abend ist Probe bei Cindy, und dann m�ssten wir f�r die Baustelle ger�stet sein.
So, jetzt �be ich noch mal die Songs, die ich morgen f�r Klaus im Studio einspiele. Die WILD HORSES sollen ja ein Erfolg werden! Und dann backe ich mal einen Vorrat an Brownies, die Woche k�nnte anstrengend werden:
LILI�s SCHOKOLADENBROWNIES
Man braucht das Folgende:
130 g Butter und etwas mehr zum Einfetten der eckigen Backform
120 g Zartbitterschokolade, in St�cke gehackt
300 g brauner Zucker
1 Prise Salz
5 Tropfen Vanillearoma oder das Innere einer halben Vanilleschote
2 gro�e Eier
120 g Mehl EL Kakaopulver
100 g grob gehackte Waln�sse
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, eine eckige Kuchenform einfetten, Butter und Schokolade im Wasserbad schmelzen, alles glatt r�hren, Zucker, Salz, Vanille einr�hren, nacheinander die Eier hineinr�hren. Dann Mehl und Kakaopulver hinzugeben alles fein verr�hren. Zum Schluss die Waln�sse hinzugeben und alles in die Form geben. 30 � 40 Minuten backen.
Dienstag, 21. November 2006
Mit Wildpferden im Studio
Die Brownies schmeckten heute zum Fr�hst�ck noch besser als gestern Abend! Dazu gab�s einen feinen Earl Grey Tee mit Rohrzucker und Milch. Tee hat so was Entspannendes im Gegensatz zu Kaffee. So fing der Tag gut an.
Tja, und dann waren wir bei Eddie im Studio. Klaus erwartete uns schon ganz aufgeregt in Fransenlederweste und Cowboystiefeln. In letzter Minute hatten wir noch einen Schlagzeuger f�r den Einsatz aufgetrieben, Detlef aus K�ln, gro�, langlockig und charmant. Ben hatte seine Westerngitarre dabei und Tommi den E-Bass.
Klaus hatte seine Songs noch mal f�r uns alle kopiert, es sollte ja alles glatt gehen. Er war ja auch noch nie in einem Tonstudio gewesen und deshalb verst�ndlicher Weise nerv�s. Ganz entt�uscht war unser Cowboy, als er nicht gleich loslegen durfte. Erst habe ich mit den Jungs LONELY ON THE ROAD, WILD HORSE und DUSTY BOOTS eingespielt. Dann durften die Jungs nach Hause gehen. Vorher haben wir noch verabredet, dass wir uns alle n�chsten Sonntag um zehn im Reitstall seiner Frau zum Fototermin treffen. Bei den WILD HORSES l�uft eben alles organisiert.
Klaus sang seine Songs zu der Aufnahme in wahrhaft �berzeugender Cowboy Manier, und zum Schluss habe ich dann noch mit dem Tenorsax um den Gesang herum improvisiert.
Anschlie�end lud Klaus mich noch zum sp�ten Mittagessen ein. Mexikanisch � fast ein texanisches Cowboyessen mit Tortillas, Guacamole und feiner Fleischf�llung!
So lasse ich mich gern von Cowboy Klaus verw�hnen. Leider ist ja nachher noch die Probe mit den Prinzessinnen, sonst h�tte ich die Margarita nicht ausgeschlagen. Aber ich will den Hoheiten lieber mit klarem Kopf begegnen. Es reicht ja schon, dass ich jetzt nach Knoblauch rieche.
Jedenfalls habe ich mit Klaus verabredet, dass der Fotograf am Sonntag dann auch noch ein paar Fotos von mir und den Jungs f�r unsere Demo-CD macht. Wirklich nett von Klaus! In Sachen Vermarktung kann ich viel von ihm lernen.
Mittwoch, 22. November 2006
Proben beim Adel
Bu�- und Bettag
So, jetzt habe ich mich erstmal richtig ausgeschlafen, drau�en ist es feiert�glich still und gar nicht typisch bu�t�glich regnerisch.
Gestern habe ich ja die Prinzessinnen in ihrem Domizil aufgesucht, das hei�t, ich war bei Cindy zu Hause. Meike war nat�rlich auch schon da. Cindys Zweizimmerwohnung im unattraktiveren Teil von Gohlis ist schlicht mit Ikea-M�beln eingerichtet, und ohne ihre Haarteile und Paillettenkleidchen sahen auch meine k�nftigen Showpartnerinnen eher unauff�llig aus. Cindy �berreichte mir einen Stapel Kopien mit Noten, nat�rlich C-Stimmen. Aber macht nichts, ich hatte das Tenorsax dabei, und mit dem kann ich problemlos vom Blatt transponieren.
Das Repertoire reicht von ICH HAB GETANZT HEUT NACHT bis zu MIAs Song TANZ DER MOLEK�LE,(�Ich bin hier, weil ich hierhin geh�r, ich bin von Kopf bis Fu� verliebt, Du bist mutig, weil Du mir Treue schw�rst, zwischen all den sch�nen Souvenirs, sprich mich an in dem Takt, der dieses Lied zu unserm Hit macht� � ich frage mich, wie man mit solchen Texten Erfolg haben kann�, die Prinzessinnen versichern mir aber, dass ich von MIA beziehungsweise von der S�ngerin MIETZE viel lernen k�nnte, dar�ber denke ich sp�ter nach). Ich frage mich, wie diese adelige Sammlung musikalischer Kultur zustande kam. Aber ich bin ja quasi nur als Zeitarbeiterin bei den Hoheiten und stelle mir lieber keine Fragen.
Auf der Baustelle � ein k�nftiges Einkaufszentrum in der Innenstadt � sollen wir ungef�hr eineinhalb Stunden spielen. Also haben wir so etwa zwanzig Songs angespielt, ein paar Absprachen f�r meine Soli getroffen und uns nach drei Stunden voneinander verabschiedet. Zuvor hat mir Cindy noch eingesch�rft, dass ich mich am Auftrittstag rhythmisch zur Musik zu bewegen habe.
So, jetzt gehe ich noch zu Susanna und Mathilda zum Tee, sp�ter dann zur Session ins BLUE NOTE.
Susanna will mir eine Vollmacht geben, damit ich Mathilda k�nftig auch mal von der Krippe abholen kann. Susanna hat n�mlich ab n�chste Woche einen Halbtagsjob in einer Boutique. Von ihrem ewigen Nachhilfeunterricht allein kann sie auf Dauer nicht leben. Vielleicht kann ich ja dann das eine oder andere schicke Teilchen zum Einkaufspreis abbekommen�
Donnerstag, 23. November 2006
Mexikanische Freuden
Gestern bei Susanna und Mathilda war es sehr sch�n. Mathilda hat zum zweiten Geburtstag ein wunderbares B�chlein geschenkt bekommen: DIE PRINZESSIN KOMMT UM VIER. EINE LIEBESGESCHICHTE von Wolfdietrich Schnurre mit Bildern von Susanne Berner (Aufbau-Verlag GmbH, Berlin 2003). Die Zeichnungen sind allerliebst. Es geht um eine angeblich verzauberte Hy�ne, die eingeladen werden muss, damit sie sich in eine Prinzessin zur�ckverwandelt. Die Hy�ne im verzauberten Zustand ist tats�chlich wenig attraktiv, voller Ungeziefer und �bel riechend. Das gef�llt Mathilda besonders: �Hy�ne stinkt! Ekelhaft!� Das kleine Buch lieferte Gespr�chsstoff f�r zwei Stunden.
Ab n�chste Woche werde ich nun bei Bedarf und wenn ich Zeit habe Mathilda von der Kinderkrippe abholen. Darauf freue ich mich schon, denn je mehr die Kleine spricht, umso unterhaltsamer ist es mit ihr.
Abends war im BLUE NOTE nicht viel los, die meisten haben sich wohl am Feiertag einfach ausgeschlafen. Daf�r hatte Carlos seine mysteri�se Freundin dabei, eine graue Maus, die sich den ganzen Abend an zwei Gl�sern Cola festhielt und mir eher Leid tat, als dass sie Eifersucht in mir ausgel�st h�tte. Soll sie doch mir Carlos gl�cklich werden, immerhin erbeutet er ja hin und wieder fremdgebackenen Kuchen f�r sie�
Von den Sch�lern gibt es wenig Neues. Klaus war noch ganz begeistert von den Aufnahmen und freut sich auf den Fototermin am Sonntag. Er hat jetzt auch einen original texanischen G�rtel mit einem B�ffelkopf als Schnalle. So langsam verwandelt er sich in einen echten Cowboy. Nach Weihnachten nimmt er dann Stunden im Westernreiten.
Die kleinen Sch�ler proben flei�ig Lieder f�r den Auftritt unterm Weihnachtsbaum. Der Beste, der dreizehnj�hrige Paul, ist jetzt schon bei LET IT SNOW!
Auf dem R�ckweg habe ich in Hinblick auf die Baustellen-Einnahme bei den Prinzessinnen bei CULINARIA einen gr��eren Einkauf get�tigt. Das Essen mit Klaus beim Mexikaner hat mich dazu inspiriert: Tortillas, p�rierte rote Bohnen, frischen Koriander, Cr�me fraiche, zwei Avocados, ein argentinisches Steak�
Als ich zu Hause war, rief Silke aus Berlin an. Das Damenorchester, in dem sie jetzt trompetet, braucht f�r einen Auftritt am 2. Advent dringend eine Aushilfe am Tenorsax, also mich! Warum nicht? Ich finde ja, �Damenorchester� klingt etwas verstaubt, aber was soll�s, Gig ist Gig. Und au�erdem fahre ich immer gerne nach Berlin. Die Fahrtkosten bekomme ich auch erstattet, und die n�chsten beiden Dienstage sind damit f�r Proben mit den SUGAR BABIES verplant.
So, und jetzt koche ich mir was Feines:
LILIs TORTILLAS
- Tortillas in Alufolie einwickeln und in den vorgeheizten Backofen legen (da sollen sie einfach sch�n hei� werden)
- das Steak klein schneiden, ebenso zwei rote Paprikaschoten und eine Zwiebel, das alles zusammen in �l kurz anbraten (wenn man zwei Pfannen hat, Gem�se und Fleisch getrennt anbraten), alles salzen und pfeffern
- parallel dazu die p�rierten Bohnen in einem Topf oder in der Mikrowelle erw�rmen
- Avocado mit einer Knoblauchzehe, dem frischen Koriander und dem Saft einer halben Zitrone p�rieren, salzen und pfeffern
- aus drei Tomaten und einer Zwiebel, Salz, Pfeffer, Zitrone und Oliven�l ein Salsa zaubern
- Cr�me fraiche in ein Sch�lchen f�llen
Wenn alles fertig ist, die verschiedenen kleinen Gerichte in Sch�lchen anrichten, die Tortillas aus dem Ofen nehmen und nach und nach am Tisch f�llen, bis man nicht noch mehr essen kann�
Freitag, 24. November 2006
Baustelle
Heute Vormittag war nun mein Baustelleneinsatz. Die PRETTY PRINCESSES hatten schon die Verst�rkeranlage aufgebaut und waren dabei, sich warm zu tanzen, zur gro�en Freude der Bauarbeiter. Der Bauherr und Auftraggeber begr��te uns mit kr�ftigem Handschlag und �berreichte uns drei Bauhelme. Er bestand darauf, dass wir sie aufsetzen sollten. So fand er es einfach z�nftiger. Mir war es ja egal, aber die Prinzessinnen hatten extra ihre Haarteile angelegt. Nun war dieser Aufwand umsonst gewesen. Immerhin sah man ihre Glitzerkleider. Ich hatte meine hohen Stiefel, die enge schwarze Hose und das rote Glitzershirt an. Zum Gl�ck waren Heizschirme aufgestellt.
Dann sollten wir gleich loslegen und taten, wie uns gehei�en. Schon nach dem ersten Titel bat uns der Bauherr, doch bitte etwas leiser zu spielen. Kein Problem f�r die Prinzessinnen, einfach die Anlage leiser drehen! Ich hielt mich auch in der Lautst�rke zur�ck, doch konnten meine Bem�hungen den Auftraggeber nicht zufrieden stellen. In dem halbfertigen Neubau hallte es einfach sehr, und allein die Stimmen der G�ste trugen sehr zum allgemeinen L�rm bei.
Beim dritten Song wurde ich dann gebeten, mein Spiel einzustellen. So was habe ich ja noch nie erlebt! Na bitte, sollten meine Showpartnerinnen eben einfach alleine weiter machen. Es kam ja sowieso haupts�chlich aufs Optische an. Cindy beruhigte mich, dass ich die Gage in jedem Fall bek�me. Ich nahm also den Bauhelm ab, verpackte das Saxophon und mich unter die G�ste.
Und siehe da, gleich kam ein gut aussehender Mann auf mich zu und erbot sich, mir ein frisch gezapftes Bier und einen Hamburger vom Grill zu bringen. Das vers�hnte mich umgehend mit meinem ungeplanten Abgang von der B�hne. W�hrend die PRETTY PRINCESSES in ihren Kleidchen und mit den gelb leuchtenden Bauhelmen ein skurriles Bild abgaben und von Molek�len und verflossenen Liebsten sangen, lie� ich es mir schmecken und erfuhr, dass der aufmerksame Mann der Architekt des Einkaufscenters ist und es sich hierbei um seinen ersten gro�en Auftrag handelt. Das Bier machte mich etwas benommen, gl�cklicher Weise war ich mit dem Fahrrad gekommen. Jedenfalls haben wir uns wunderbar unterhalten und unsere Telefonnummern ausgetauscht. Felix, so hei�t er, hat auch manchmal beruflich in Berlin zu tun. Vielleicht kann er mich ja am Dienstag dorthin mitnehmen, wenn Probe mit den SUGAR BABIES ist…
So jetzt schnell ins Bett, den LILA SALON werde ich mir heute schenken�
Samstag, 25. November 2006
Neue Aussichten
Das tat gut, so lange schlafen. Nach einem langen Nachmittagsschlaf habe ich gestern Abend noch die Reste des Tortillaschmauses vom Donnerstag gegessen und mir dann noch auf DVD einen meiner Lieblingsfilme angesehen, DAS PIANO. Holy Hunter und Harvey Keitel, einfach grandios�
Vorhin war ich in der Stadt, um B�cher f�r Mathilda aus der Bibliothek zu holen. OPAS ENGEL von JUTTA BAUER (Carlsen, Hamburg, 2001) musste ich verl�ngern lassen, Mathilda verlangt noch immer regelm��ig, dass ihr daraus vorgelesen wird. Aber �ber DU WIRST K�NIG, BASTA! (Jean-Baptiste Baronian, arsEdition, M�nchen, 1996) wird sie sich bestimmt auch freuen. Die Bilder sind in ihrer �ppigkeit wunderbar! Mein Schneiderinnenherz fing gleich an, schneller zu schlagen, als ich die fantasievollen Kost�me der Tiere in dem Buch sah! Da sitzen Papa L�we und sein Sohn, der Thronfolger werden soll, genie�erisch in sch�nster Schlafw�sche vor leckersten T�rtchen auf einer prunkvollen Bettdecke und besprechen die Zukunft beim Dominospiel� So sch�n kann das Leben sein.
Schon dieses Bild allein inspirierte mich dazu, den Kaffeeladen ( www.ganos.de ) neben der Bibliothek zu besuchen. Sonst trinke ich ja nicht so gerne Kaffee, aber dort wird er im Haus ger�stet. Und dann ist er dick und cremig, wenn man ihn im Pressk�nnchen zubereitet, einfach unvergleichlich. Ich habe dann gleich noch dort einen Espresso getrunken, begleitet von einem feinen Schokoladenriegel.
Tja, und jetzt mache ich mir Gedanken wegen morgen, der Fototermin naht! Was ziehe ich an? F�r die WILD HORSES ist es mir ja egal, da wird Klaus� Frau die Garderobe f�r die Band organisieren. Aber f�r unser Bandfoto? Da muss ich ja auch mit Ben und Tommi noch mal reden�
Und Felix? Der hat sich auch noch nicht gemeldet. Vielleicht sollte ich ihn nachher anrufen! Oder lieber nicht? Mich rar machen? Mal sehen�
Montag, 27. November
Fototermin
Als ich gestern um zehn Uhr morgens mit meinem knatternden Ford Fiesta eintraf, waren Klaus und Maria, seine Frau, schon dort. Sie schichteten Strohballen vor dem Stalltor zu einem dekorativen Ensemble. Marias Pferd stand auch schon gestriegelt und gl�nzend vor dem Stalltor und wartete auf das Startzeichen zum Shooting. Von Ben, Tommi und Detlef keine Spur. Daf�r war der Fotograf schon da und stellte die Beleuchtungsschirme ein. Klaus rief Tommi an. Ben hatte verschlafen, deswegen hatte sich der Aufbruch verz�gert.
Maria zeigte mir stolz ihre Sammlung an Cowboykleidung, die sie f�r die WILD HORSES zusammengetragen hatte: Cowboyh�te, Fransenjacken, schimmernde G�rtel. Ich durfte mir gleich etwas Passendes aussuchen. Da traf dann auch der Rest der Band ein, nicht so sehr gut gelaunt, aber wie verabredet in Jeans und wei�en Hemden. Detlef baute sein Schlagzeug auf, das komplette Drumset, Klaus bestand darauf. Dann bekamen die Jungs von Maria ihre Kost�mierung zugewiesen, wehrten sich erfolgreich dagegen, sich die Nase pudern zu lassen und postierten sich samt Instrumentarium auf den Strohballen. Ich sollte mich mit Saxophon dazu setzen und tat wie mir gehei�en. Klaus postierte sich als wichtigstes WILD HORSE vor uns, halb vor Tommi, so dass dessen Turnschuhe f�rs Foto verdeckt w�rden.
Klaus hatte sich vorgestellt, dass Marias Pferd, Black Eagel, im Hintergrund am Stroh knabbern sollte. Black Eagel fand das aber nicht so interessant, und so band Maria ihn provisorisch direkt neben mir an einem der B�nder fest, mit denen die Strohballen zusammen gehalten werden. Nun konnte es losgehen. Wir taten, als ob wir spielen, alle, bis auf Detlef. Der schlug ein paar Mal kr�ftig auf die Hi Hat, Black Eagel riss sich los und brachte meinen Strohballen ins Wanken. Beim St�rzen konnte ich gerade noch mein Saxophon hochhalten und fiel unsanft auf die Knie.
Gar nicht so leicht, so ein Fotoshooting. Maria fing Black Eagel wieder ein, aber der wollte sich partout nicht mehr in die N�he des Schlagzeugs begeben.
Maria machte sich daran, ein anderes Pferd zu holen, die zweite Besetzung sozusagen. Als ich vorschlug, die Zeit f�r unser Demofoto f�rs Trio zu nutzen, waren alle einverstanden. So richtig wohl f�hlte sich niemand als Cowboy, abgesehen von Klaus nat�rlich. H�te ab, Fransenjacken aus, und mit den Instrumenten vors Stalltor gestellt. Das gab jetzt nicht die ideale Jazz Kulisse ab, aber der Fotograf war nun mal hier im Reitstall�
Zwanzig Minuten sp�ter war Maria mit einer �bergewichtigen �lteren Stute wieder da. Wir hatten Detlef eingesch�rft, sich ruhig zu verhalten. Wieder als Cowboy beziehungsweise ich als Cowgirl verkleidet, bew�ltigten wir unsere Aufgabe ohne weitere Zwischenf�lle. Ich bin gespannt auf die Fotos!
Felix hat noch nicht angerufen! Wenn er sich bis heute Abend nicht meldet, werde ich die Begegnung mit ihm einfach vergessen.
Silke hat mir Noten f�r die Probe morgen geschickt. Alles Kopien von Noten aus den zwanziger und drei�iger Jahren mit sch�nen Titeln wie WAS DU MIR ERZ�HLT HAST VON LIEBE UND TREU, HEUT ABEND BIN ICH FREI (das k�nnte ich ja Felix melden�) oder WUNDERSCH�N IST ES VERLIEBT ZU SEIN. Da bin ich ja gespannt. Ich fange gleich mal an, die Schlager durchzuspielen.
Dienstag, 28. November
Auf zu den SUGAR BABIES
So, gleich muss ich los. Heute Vormittag habe ich das Programm f�r heute Abend noch mal auszugsweise ge�bt. Manche Arrangements haben es in sich, auch die Abl�ufe sind nicht immer so leicht zu erfassen.
Dann rief Felix an! Er f�hrt auch heute nach Berlin, aber erst abends. Ob wir uns mal treffen k�nnen, es sei doch auf der Baustelle so interessant gewesen, sich mit mir zu unterhalten. Ich habe ihm gesagt, dass ich zur Zeit sehr eingespannt bin. Da hat er vorgeschlagen, dass er morgen Abend ins BLUE NOTE zur Session kommt. Das hat er sich also gemerkt, dass ich dort �fter anzutreffen bin. Nun wird sich ja zeigen, wie interessiert er wirklich an mir ist.
So, jetzt schnell zum Bahnhof.
Mittwoch, 29.11.2006
Berlin
Berlin ist zu Leipzigs Vorort geworden! Mit dem ICE ist man in wenig mehr als einer Stunde am neuen Hauptbahnhof. Von dort bin ich dann mit der S-Bahn zu Silke nach Mitte gefahren, um dann nach einem kleinen Kaffeeplausch mit ihr zur Probe nach Kreuzberg aufzubrechen.
Die gro�e �berraschung war, dass die SUGAR BABIES von einem Mann geleitet werden. Das erkl�rt auch den Bandnamen! Der Erfinder der SUGAR BABIES versucht sich als S�nger, verk�rpert �u�erlich die drei�iger Jahre und riecht nach Souterrain und einem Leben ohne Badewanne. Im wirklichen Leben hei�t er Patrick Schnarrdorf, nennt sich aber mit K�nstlernamen � im Pass eingetragen! � Ernesto Grothe.
Die Musikerinnen waren alle p�nktlich zur Stelle, bis auf das erste Alt, Katrin. Sie kam mit ihrem Rennrad versp�tet angehetzt. Silke hatte mir ja gesagt, was geprobt werden sollte, nur hielt sich Patrick alias Ernesto nicht an seine Vorgabe. Aber ich hatte ja das Prinzip der Abl�ufe verstanden, und so kamen wir ganz flott voran. Ernesto regte sich vor allem �ber den Blechsatz auf, dessen Besetzung wohl auch weniger stabil als die des Saxophonsatzes ist. Die Damen im Blech sind seltener als wir und wegen des sportlichen Anspruchs ihrer Instrumente auch streitbarer. Und Ernesto hat eben immer Recht, das merkte ich schnell. Doch was soll�s. So eine Aushilfe ist in jedem Fall interessant. Und wenn Ernesto mit Schmelzstimme oder zumindest dem Ansatz dazu singt: �Eine Freundin so goldig wie du, etwas Fr�hling und Mondschein dazu, das w�r was, das w�r was, das w�r etwas f�r mich. In der Bar eine Geige die weint, unsre Herzen im Tango vereint, das w�r was, das w�r was, das w�r etwas f�r mich. Wann kommst du, wann kommst, s��es M�dchen du? Wann ist das erste Rendez-vous!�, wenn er das singt, dann vergesse auch ich einen Augenblick den Souterraingeruch. Waren das noch Zeiten! Wenn jemand das f�r mich singen w�rde, Felix zum Beispiel. Doch ich glaube, da kann ich lange warten.
Nach der Probe waren Silke und ich in Kreuzberg in einer Kneipe und haben uns einen richtig netten Frauenabend gemacht. Heute Vormittag war ich in Mitte unterwegs, auch in meinem geliebten Perlenladen an den Hackeschen H�fen. N�chste Woche bin ich ja wieder in Berlin zur Probe, dann k�nnte ich in der Hauptstadt ein paar Weihnachtseink�ufe machen.
Alles in allem war es eine sch�ne Abwechslung, auch wenn ich dadurch das Herbie Hancock Konzert im Gewandhaus verpasst habe. Es h�tte sogar noch Karten gegeben!
Na ja, Eddie als Pianist hat sich das Konzert nicht entgehen lassen und wird mir zumindest sp�ter im BLUE NOTE davon berichten.
Donnerstag, 30. November 2006
Sinn f�rs Gesch�ft
Klaus hatte heute die Fotos von den WILD HORSES dabei. Gar nicht schlecht, und die winterliche Sonne am letzten Sonntag hat uns in ein sch�n kitschiges Licht getaucht, wunderbar. Die braune Stute mildert die Wildheit der Musiker zwar betr�chtlich, doch Klaus scheint das nicht zu st�ren. So lie� ich diesen Eindruck auch lieber unerw�hnt.
Und das Foto von unserem Trio ist auch nicht schlecht. Zwar bringen wir mit unseren Jeans und wei�en Hemden nicht so ganz eine werbewirksame Lounge Atmosph�re r�ber, doch wir sehen immerhin professionell und vorzeigbar aus.
Die kleinen Sch�ler �ben flei�ig f�r Weihnachten, der kleine Paul nun auch schon HARK, THE HERALD ANGELS SING.
Auf dem R�ckweg von der Musikschule, der mich ja durch die Innenstadt f�hrt, staunte ich allerdings nicht schlecht. Da stand doch glatt der kleine Paul mit seinem Altsax und �bte sozusagen �ffentlich sein Weihnachtsprogramm. Vor ihm der offene Saxophonkoffer mit etlichen Eurost�cken darin. Um ihn herum eine Schar wohlwollend l�chelnder �lterer Frauen. Mit dreizehn habe ich noch TOM SAWYERS ABENTEUER gelesen und zu Hause Klarinette ge�bt, meist sogar nur widerwillig.
Um Paul muss ich mir also keine Sorgen machen�
Die Session gestern? Ich hatte mich in Schale geworfen, denn Felix hatte doch sein Kommen angek�ndigt. Als er gegen zehn immer noch nicht da war, war meine Stimmung doch etwas ged�mpft. Die anderen wunderten sich schon, was mit mir los sei, aber das behielt ich dann doch lieber f�r mich.
Morgen nimmt mich Carlos im Auto nach Chemnitz mit, wo die Volksmusikshow l�uft.
Und wer rief jetzt gerade an? Felix! Er habe es leider nicht zur Session geschafft, weil er sich noch mit einem potentiellen Bauherrn in Berlin treffen musste. Er will mich aber unbedingt wieder sehen und kann mich am Dienstag mit dem Auto nach Berlin mitnehmen. Das ist doch was! Immerhin spare ich dann Fahrgeld, wenn sonst nichts aus der Sache wird� Viel erwarte ich nicht mehr von Felix. Nach soviel Warterei ist einfach der Dampf raus.
Freitag, 1. Dezember 2006
Einsatz f�r die Volksmusik
Das war ein Tag! Ich habe sie ALLE gesehen: Karel Gott, Heino, die Flippers (von deren Existenz wusste ich vorher zum Erstaunen meiner Mitstreiter nichts), die Wildecker Herzbuben, Hansi Hinterseer, Florian Silbereisen als Moderator und die Sternchen der Volksmusik. Auch Andr� Rieu war da mit seinen barock gekleideten Musikerinnen. Die Details muss ich erstmal f�r mich sortieren, jetzt nichts wie ins Bett! Der LILA SALON muss heute ohne mich auskommen. Ich habe sowieso heute nur volkst�mliche Ohrw�rmer im Kopf.
Samstag, 2. Dezember 2006
Eine andere Welt
Zur Volksmusikshow:
Als wir gestern in Chemnitz ankamen, wurde uns eine gro�e Garderobe zugewiesen. Sechzehn Musiker � die Big Band � waren da nun zusammen, ich als einzige Frau. Zum Gl�ck hatte ich ja schon den vorgeschriebenen schwarzen Anzug vor der Abfahrt angezogen. Das Garderobenproblem kenne ich schon. Die M�nner waren nat�rlich noch nicht umgezogen und wollten das erst nach den Stellproben tun. Noten hatten wir keine, das wurde auch nicht f�r wichtig gehalten, da wir ja nur zum Playback mimen sollten. Permanent lief in der Garderobe das Medley, das unser gro�er Moment sein sollte. So konnten wir erahnen, wann wir lieber nicht so tun sollten, als w�rden wir spielen, weil vielleicht ein Trompetensolo an der Reihe war, und wann es angebracht w�re, scheinbar voller Engagement ins Instrumentalspiel vertieft zu sein. Zu Essen oder Trinken gab es f�r uns nichts, daf�r aber l�ngere Pausen, die wir in der Kantine verbrachten, gemeinsam mit den Gr��en der Schlagerwelt. Da sa� doch wirklich Heino mit seiner Hannelore. Ihn kannte ich noch aus lauschigen Abenden mit meiner Oma, die die Hitparade nicht meinetwegen vers�umen wollte und mir dabei Grie�brei kredenzte.
Da ich sonst niemanden kannte, hielt ich mich an Carlos, auch als wir zum Kaffeetrinken in die Chemnitzer Innenstadt gingen. Als er mal zur Toilette musste, fiel seine Jacke vom Stuhl, ohne dass er es bemerkte. Und heraus fiel auch sein Personalausweis. Und was musste ich da lesen? Carlos hei�t Hans Georg! Das erkl�rt vielleicht auch seinen Unterhosengeschmack. Am Ende sind seine Haare auch gef�rbt und das ganze Latin Lover Image ist nur Fassade� Am besten behalte ich meine Entdeckung erstmal f�r mich. Ich will den Guten ja auch nicht blo�stellen.
Dann war �ffentliche Generalprobe vor echtem Publikum, meist ab sechzig aufw�rts. Das Publikum wurde eingewiesen, wann es zu applaudieren habe. Dann ging es los. Dass alles Playback war, fiel niemandem auf. Wir schwenkten dann auch wild die Instrumente hin und her, damit ordentlich was los war auf der B�hne. � Und gleich im Anschluss war Live �bertragung der eigentlichen Show. Wir mussten bis zum Ende dort bleiben, um beim gro�en Abschiedswinken dabei zu sein, und entsprechend sp�t waren wir dann in Leipzig zur�ck.
Und morgen ist der 1. Advent! Ich habe noch nichts Weihnachtliches vorbereitet. Also: Pl�tzchenrezepte suchen und Einkaufen gehen. So ein bisschen traditionell darf es schon sein�
Montag, 4. Dezember
Advent, Advent�
Das Wochenende war mehr oder weniger meinen bescheidenen Weihnachtsvorbereitungen gewidmet.
Am Samstag habe ich mich dann noch zu CULINARIA begeben, um dort die Zutaten f�r meine Pl�tzchen zu besorgen. F�nf verschiedene Sorten Pl�tzchen zu backen, das hatte ich mir vorgenommen. Doch als ich dann im Weihnachtstrubel der Innenstadt war, hatte ich nur noch den Wunsch, schnell wieder nach Hause zu kommen. Als ich dann keinen getrockneten gr�nen Pfeffer fand, nach dem ein verlockendes Rezept f�r Nougatkipferln verlangte, fand ich, dass ich ja nicht �bertreiben m�sse. Am Ende kaufte ich einfach eine Fertigbackmischung f�r einen Teig, der die Grundlage f�r Ausstechpl�tzchen lieferte, Marzipanrohmasse f�r Marzipankugeln und das N�tige f�r meinen Favoriten:
Aprikosen-Nuss-Ecken:
F�r 40 St�ck braucht man:
150 g Butter, zimmerwarm
180 g Zucker
das Mark einer Vanilleschote
zwei Eier, eins davon getrennt
250 g Mehl
1 kl. Teel�ffel Backpulver
200 g getrocknete Aprikosen
200 g Haseln�sse
2 EL Orangenlik�r
180 ml Orangensaft
100g Puderzucker
F�r den Teig 75 g Zucker, die Butter, Vanillemark und etw. Salz verkneten. 1 Ei und 1 Eigelb dazugeben, Mehl und Backpulver dazugeben und den dann glatten Teig in Folie gewickelt 2 Std. kaltstellen.
Dann die gemahlenen Haseln�sse in einer Pfanne ohne Fett anr�sten und abk�hlen lassen. Aprikosen fein w�rfeln, mit dem Lik�r betr�ufeln und ziehen lassen. Die N�sse, 150 ml O-Saft und 100 g Zucker verr�hren. Aprikosen dazu geben. Alles eine halbe Std. ruhen lassen.
Teig in 2 H�lften teilen. Je 25 x 30 cm ausrollen, vorher Arbeitsfl�che bemehlen. Ein St�ck auf ein Blech mit Backpapier legen. Mit der Nussmasse bestreichen und dabei rundherum ein wenig Platz ((ca. 2 cm) lassen. Den freien Rand mit Eiwei� bestreichen. Das andere Teigst�ck auf die F�llung legen. Die Teigoberfl�che mehrmals mit einer Gabel einstechen. Alles auf der Mittelschiene im Backofen (auf 190 Grad vorgeheizt) 20 Min. backen.
Puderzucker und Rest O-Saft zu einem dicken Guss verr�hren. Die hei�e Teigplatte damit bestreichen und abk�hlen lassen. Dann alles in Rauten schneiden.
Als ich mich nach Hause gek�mpft hatte, Adventskranz, Kerzen und die Beute von CULINARIA im Gep�ck, h�tte ich mich gleich wieder ins Bett legen k�nnen, doch Susanna hatte mich gebeten, nachmittags noch ein wenig auf Mathilda aufzupassen.
Das war dann die Stunde der Fertigbackmischung! Mathilda hatte ihre wahre Freude am Teigausstechen. Besonders hatte es ihr die Ausstechform im Pferdchenformat angetan. Da musste ich viele Teigbeinchen zurechtformen�
Als Mathilda dann wieder bei Susanna war, zwang ich mich noch zum Backen der Marzipankugeln und Aprikosen-Pl�tzchen und begab mich dann aufs Sofa vor den DVD-Player. Zu mehr war ich nicht in der Lage, die K�che blieb teigverklebt, und ich schlief vor einem meiner Lieblingsfilme, Paris- Texas, ein. Sp�ter zog ich dann noch ins Bett um. Das war mir schon lange nicht mehr passiert. Es muss wohl an der Volksmusik am Freitag gelegen haben.
Und gestern habe ich dann sch�n Wohnzimmer und K�che dekoriert. Der Herrnhuter Stern h�ngt an seinem Weihnachtsplatz, im K�chenfenster steht der Schwippbogen. Nachmittags war ich bei Susanna und Mathilda zum Adventskaffee eingeladen und konnte Mathilda mit einer Dose von ihren Ausstechpl�tzchen erfreuen.
Als ich dann Abends wieder in meiner weihnachtlichen Wohnung war, ging es mir eigentlich ganz gut, nur f�hlte ich mich ein wenig einsam und war deshalb w�tend auf mich selbst, denn Felix hatte noch nichts von sich h�ren lassen.
Daf�r hat er heute Morgen angerufen: Morgen Mittag holt er mich ab!
Nun �be ich noch f�r die Probe mit den SUGAR BABIES. Die Fahrt nach Berlin soll sich ja lohnen. Und Mathilda will ich noch ein Stofftier n�hen, Mittwoch ist doch Nikolaustag, und da komme ich erst nach dem Nikolausbesuch nach Leipzig zur�ck.
Dienstag, 5. Dezember
Kamele
Das Stoffkamel in gebl�mtem Orange ist s�� geworden! Ich habe ihm gleich noch ein Babykamel dazu gen�ht, und schon war der Abend vorbei. Wenn alles schief l�uft kann ich es ja immer noch Margarete Steiff gleichtun und Stofftierfabrikantin werden! Ich hoffe, Mathilda freut sich �ber diese Gabe vom Nikolaus.
So, jetzt schnell f�r Berlin packen, gleich holt Felix mich ab!
Mittwoch, Nikolaustag, 6. Dezember
Unterwegs mit Felix
War das aufregend! Felix war p�nktlich bei mir, begr��te mich mit Wangenk�sschen und half mir � ganz Kavalier - mein Gep�ck in seinen Volvo zu laden. Bis wir auf der Autobahn waren, war unsere Konversation noch recht f�rmlich: Warum er seinen Volvo so gerne hat (solide und ger�umig), warum ich meinen Ford Fiesta sch�tze (billig und h�lt l�nger als gedacht), dass er auch mal Klavier spielen lernen sollte, aber zu faul zum �ben war�das �bliche.
Auf der Autobahn dann wurde es entspannter. Felix geht gern essen, wohnt in einem kleinen Loft an den Bahngleisen und hat noch eine Einzimmerwohnung in einem Hinterhaus in Charlottenburg, ganz billig wegen Ofenheizung und Au�entoilette. Eigentlich ist er aus Bremen, doch gleich nach dem Abitur hat ihn die Gro�stadt gelockt, und so hat er dann an der TU Berlin studiert und sich gleich nach der Wende in den wilden Osten begeben, denn als Architekt hat er sich davon gr��ere berufliche Entwicklungsm�glichkeiten erhofft. Ganz so rasant lief es dann mit seiner Karriere doch nicht, aber immerhin hat er ja nun das Einkaufszentrum entworfen. Also ist er im Vergleich zu mir doch einigerma�en erfolgreich. Au�erdem riecht er gut!
Und so verplauderten wir die Fahrtzeit. In Berlin fuhr er mich bis nach Mitte. Dort lud ich ihn noch ins Starbucks an den Hackeschen H�fen zum Kaffee ein. Genau wie ich trinkt er am liebsten Milchkaffee. Und dann verabschiedeten wir uns mit K�sschen und er bot mir an, mich heute Morgen im Starbucks zur R�ckfahrt nach Leipzig abzuholen. Ich war so angetan von dem netten Angebot, dass ich spontan meinen Plan verwarf, heute in Berlin meine Weihnachtseink�ufe zu erledigen. Also fuhren wir heute gemeinsam nach Leipzig zur�ck, und heute Abend kommt er zur Session!
Und bei Silke war es auch wieder sch�n � wir waren dann auch wieder in einer kleinen Kreuzberger Kneipe - bei den SUGAR BABIES war es dagegen eher stressig. Jetzt am kommenden Sonntag soll ja der Hotelauftritt sein, und es klappert bei einigen St�cken noch ganz sch�n. Patrick alias Ernesto hackte vor allem auf dem Blechsatz herum. Angeblich spielt die Posaune besonders unzuverl�ssig, ich finde aber, dass auch unser Herr Tenor darselbst nicht immer so ganz �berzeugend war.
Ich bekam dann auch noch von Ernesto eine Plastikt�te mit dem Einheitskost�m der SUGAR BABIES in die Hand gedr�ckt. Es soll wohl extra f�r dieses Orchester entworfen worden sein. Mein Schneiderinnenherz verkrampfte sich beim ersten Blick darauf: Nicht einmal die N�hte sind vers�ubert, der Stoff ist billigstes Polyester, die Pailletten nur aufgeb�gelt.
Am Sonntag Nachmittag treffen wir uns dann in einem Hotel am Alexanderplatz. Bis dahin vergesse ich das Kost�m.
So, jetzt noch ein wenig ausruhen, dann ab zu Session ins BLUE NOTE.
Donnerstag, 8. Dezember
Der Verehrer
Die Session war wunderbar! Wahrscheinlich hatten alles etwas Sch�nes zum Nikolaus geschenkt bekommen, au�er mir, aber ich hatte ja Felix im Publikum! Er ist ein echter Kavalier. Nach jedem Set fragte er nach meinem Getr�nkewunsch. So hatte ich schlie�lich zwei Schwarzbiere getrunken, finde aber, dass man die meinem Spiel nicht anmerkte. Felix schenkte mir bewundernde Blicke, wenn ich solierte oder die B�hne verlie�, um mich neben ihn zu setzen. Ben und Tommi machten sich nat�rlich mir gegen�ber �ber meinen Verehrer lustig, unterhielten sich aber auch freundlich mit ihm. Carlos war sehr zur�ckhaltend, das soll mir Recht sein, Hans Georg!
Und wieder eine Verabschiedung mit K�sschen! Morgen will er mich vor der Session im LILA SALON zum Essen einladen, italienisch! Dann muss er nachts noch nach Berlin, er hat Samstag Morgen einen Termin in Berlin. Ich freue mich!
Mathilda mag die beiden Kamele sehr! �Nikolaus, Kamele!� rief sie zur Begr��ung. Vielleicht sollte ich ihr zu Weihnachten noch weitere Spielgef�hrten n�hen.
So, nun aber ab in die Musikschule!
Freitag, 9. Dezember 2006
Tr�mmerfrau
In der Musikschule gab es wenig Neues. Klaus hatte das Demo von den WILD HORSES dabei. Es klingt richtig gut! Ich werde es mir �fter in meinem Ford Fiesta an
H�ren und mich dabei f�hlen, als w�rde ich einen Truck durch Texas steuern.
Klaus hatte vom Nikolaus eine echte Cowboy-Kravatte geschenkt bekommen, mit zwei Lederb�ndern und einem Silberknopf, bestimmt hei�t es in der Cowboysprache anders� N�chste Woche gibt er eine Record Release Party und l�dt nat�rlich uns andere WILD HORSES dazu ein. Ich darf auch jemanden mitbringen!
Die Kleinen �ben jetzt mit noch mehr Elan, Weihnachten steht ja auch vor der T�r! Und der kleine Paul hat Feuer gefangen: Er stand gestern wieder als Stra�enmusiker in der Innenstadt, diesmal sogar mit Weihnachtsmannm�tze. Manche lernen eben besonders schnell.
Ich habe jetzt mal mein Kost�m f�r die SUGAR BABIES anprobiert: schrecklich! Zwar sitzt es durch den Stretchstoff ganz gut und ist auch so lang, dass ich darunter Gummistiefel anziehen k�nnte, ohne dass es jemand merkt, aber unter der Eleganz der 20er und 30er Jahre stelle ich mir etwas anderes vor, allein die Farbe, ein knalliges Blau. Doch Patrick Schnarrdorf alias Ernesto Grothe ist wahrscheinlich vor allem mit seiner eigenen stilgerechten Erscheinung als der seiner Mitstreiterinnen befasst. Mir kommt es sogar so vor, als wolle er mit allen Mitteln verhindern, dass sein Damenorchester ihm die Show stehlen k�nnte.
F�r diese Theorie spricht die einheitliche Kopfbedeckung, die ich nun auch tragen muss, eine Art Turban aus wei�em Pannesamt, der seine Tr�gerin wie eine Mischung aus Krankenschwester und Tr�mmerfrau aussehen l�sst. Die Haare sollen darunter verschwinden, aus hygienischen Gr�nden? Verwechselt Ernesto seine Hygienestandards mit den unsrigen? M�ssen wir vielleicht nach unserem Auftritt noch in der Hotelk�che mithelfen? Ob Ernesto Grothe auf der B�hne sein �liges Haar bedeckt? Aber was soll�s, ich bin ja da nur Aushilfe, da w�rde ich auch in einer Kittelsch�rze auftreten.
Jetzt k�mmere ich mich mal ums �ben, und dann holt mich Felix auch schon ab zu unserem Rendezvous!
Samstag, 9. Dezember
Auf einer Wolke
War das ein sch�ner Abend! Felix war wie immer p�nktlich, hatte sich schick gemacht � wei�es Hemd unter dem italienisch wirkenden Sakko � und duftete wunderbar dezent. Er hatte bei Giovanni einen Tisch reserviert. Man scheint ihn dort zu kennen. Und dann scheint er ein wahrer Gourmet zu sein. Er lie� sich vom K�chenchef die Spezialit�ten des Tages nennen und empfahl mir dann die toskanische Antipastiplatte. Wir entschieden uns Beide f�r frische Muscheln mit hausgemachter Pasta, und dann gab es f�r mich Tiramus� und f�r ihn Zabbaione di Amaretto.
Zum Essen bestellte er Barolo! Vielleicht h�tte ein Wei�wein besser zu den Muscheln gepasst, doch ich liebe Barolo! Felix hielt sich beim Wein sehr zur�ck, er wollte ja noch nach Berlin fahren. Er erz�hle wieder Einiges von sich: Er hat wunderbare Eltern, die in Bremen gemeinsam ein Kaffeegesch�ft f�hren, und zwei j�ngere Br�der, mit denen er sich sehr gut versteht und die Beide in Berlin studieren. Und vor kurzem hat sich seine Freundin, mit der er f�nf Jahre zusammengelebt hat, wegen einer Frau von ihm getrennt. Davon war er sehr mitgenommen. Doch beim Espresso schien er schon wieder fr�hlicher zu sein.
Dann setzte er mich beim LILA SALON ab, doch vorher k�sste er mich, richtig! Und das macht er so gut, genussvoll und z�rtlich. Und er schmeckt gut, auch durch Espresso und Barolo hindurch.
Beim ersten Set im LILA SALON habe ich nicht mitgespielt, ich war noch auf der Felixwolke. Dann ging das Spielen ganz von selbst. Carlos hat mich ganz merkw�rdig angesehen.
Vielleicht kann ich Felix ja morgen nach dem Auftritt in Berlin noch treffen!
Montag, 11. Dezember
Sugar Babies
Ein erlebnisreiches Wochenende habe ich hinter mir!
Der Samstag verlief recht ruhig. Erstmal habe ich sch�n ausgeschlafen, lange gebadet und in der Erinnerung an den Kuss geschwelgt. So eine sanfte Zunge, so z�rtliche Lippen! Und dabei trotzdem ritterlich, wie Felix seinen Arme um mich gelegt hatte! Da konnte mich so richtig aufgehoben f�hlen� Wenn das so weitergeht� Ich f�hlte mich himmlisch!
Gegen Mittag schrieb mir Felix per SMS, wie sehr er den Abend mit mir genossen habe und dass er mich gern wieder sehen w�rde. Ich schrieb gleich zur�ck: � Morgen Abend nach zehn in Berlin?�, doch leider kam zur�ck: � Meine Sch�ne, muss leider mit Kunden Essen gehen und am n�chsten Morgen zur Baubeh�rde. Ich umarme Dich, Felix.�
Schade! Ich muss doch etwas zur�ckhaltender sein, denn ich will mich trotz meiner Verliebtheit nicht aufdr�ngen. Was ich darauf h�tte schreiben sollen, das wei� ich nicht. Er will sich wohl doch nicht so sehr festlegen, sonst h�tte er nicht gleich schon klar gemacht, dass der Montag Morgen auch nicht in Frage kommt. Und ich hatte mir seine Charlottenburger Wohnung schon als Liebesnest ausgemalt. Ich steigere mich zu sehr in die Sache hinein! Bis jetzt habe ich mich auch nicht wieder bei Felix gemeldet, dann geht es eben langsam oder gar nicht mit uns.
Den Rest des Tages verbrachte ich mit meinem Saxophon, das meine Bluesstimmung mit mir teilen musste, und sp�ter mit dem Fernseher.
Am sp�ten Sonntag Nachmittag war ich in Berlin, das knallblaue Kleid samt dem Tr�mmerfrauenturban im Gep�ck. Am Hotel traf ich auf Silke, und die anderen SUGAR BABIES waren schon in der Garderobe, Ernesto ganz aufgeregt zwischen seinen Damen. Das er offensichtlich die Garderobe mit uns teilen wollte senkte meine Laune gleich ein wenig. Ernesto �ffnete sein Kosmetikk�fferchen, das f�r alle falsche Wimpern, Schminke und Pfauenfedern f�r die Turbane barg. Nun musste ich mich noch mit den falschen Wimpern qu�len! Zum Gl�ck war Silke schon versiert in deren Applikation und half mir. Unter den nun pfauenfederngeschm�ckten Turbanen sahen wir alle fast gleich aus, eine Truppe von Schaufensterpuppen aus der Montagsproduktion.
F�r den Soundcheck war kaum Zeit vorgesehen. Ich h�tte diesen ja als wichtiger als die Verkleidung angesehen, aber das sahen die SUGAR BABIES scheinbar anders. Au�erdem war die Tontechnikfirma versp�tet gekommen.
Ernesto r�gte mich, weil meine Noten gelocht hatte, um sie in einer Mappe ordnen zu k�nnen. Die SUGAR BABIES hatte n�mlich nur eine Loseblattsammlung, und nun wurde in der Garderobe das Geheimnis der St�ckfolge gel�ftet. Die hatte sich Ernesto sicher erst auf dem Weg von der U-Bahn zum Hotel �berlegt. So was macht mich wahnsinnig! Ein unn�tiger Stress!
Kaum waren die Noten geordnet, schon ging�s zum Soundcheck. Ernesto fand alles wunderbar. Dass wir das Klavier kaum h�rten, war ihm egal. Unglaublich!
Das Programm bestand zum Gl�ck nur aus zwei Sets, die spielten wir einigerma�en passabel. Nur so richtig gute Stimmung wollte nicht aufkommen. Ernesto produzierte sich dessen ungeachtet als charmanter Tenor, �heute mit meiner Lieblingsbesetzung unterwegs�, ha ha. Dem �berwiegend m�nnlichen Publikum gefielen solche Spr�che jedoch.
Mappe, Kleid und Turban wollte ich gleich nach dem Gig Ernesto �bergeben, doch Silke soll diese Sch�tze noch �f�r alle F�lle� bei sich lagern.
Dann machten Silke und ich es uns noch bei ihr zu Hause gem�tlich. Sie r�t zur Vorsicht bei Felix und meint auch, ich soll mich nicht zu sehr in die Sache hineinsteigern. Leicht gesagt!
Heute Nachmittag war ich noch ein wenig in Mitte unterwegs, aber wegen des Saxophons auf dem R�cken hatte ich nicht so rechte Lust zu Weihnachtseink�ufen. Die Zeit daf�r wird allerdings knapp.
Dienstag, 12. Dezember 2006
Leere
Ich finde, Felix h�tte sich gestern oder heute bei mir melden m�ssen. Hat er aber nicht.
Ich habe mich mit Putzen abgelenkt, manchmal hilft mir das. Die K�che hat noch einen leichten Chlorgeruch, das wird mir gleich beim Meditieren helfen. So kann ich mir das Nichts besser vorstellen. Eine Welt ohne Bakterien, alles steril, wenn das nicht beruhigt!
Und nachher werde ich Joggen gehen, das wird mich st�hlen, entspannen und mich f�r alles, was da kommen mag, r�sten.
Ach ja, und vorhin war eine Nachricht von Klaus auf dem Anrufbeantworter: Ein Gig f�r die WILD HORSES bei der Weihnachtsfeier des Verwaltungsgerichts ist in Aussicht. Ob wir � WILD HORSES ohne Cowboy Klaus � nach unseren drei Repertoirest�cken noch ein wenig Jazz spielen k�nnen? � Immerhin, ein Job ist in Sicht, schon f�r Freitag!
Mittwoch, 13. Dezember
Nur keine Schw�che zeigen
Da Mathilda die Kamele zum Nikolaus so gefallen haben, habe ich den gestrigen Abend mit Recherchen f�r Stofftierschnitte verbracht. Sie soll doch auch zu Weihnachten etwas von mir bekommen! Mein Programm zur k�rperlichen und seelischen St�hlung habe ich gestern tats�chlich durchgezogen.
Nun habe ich Muskelkater in den Waden und Halsschmerzen. Ein Fall f�rs Bett eigentlich. Doch ich werde mir keine Schw�che erlauben und heute Abend ins Blue Note gehen. Ich muss dann auch Ben, Tommi und Detlef von unserem Freitagsgig berichten. Wie ich sie kenne, haben sie noch nichts vor.
Und Felix? � Ich habe mich soweit gehen lassen, dass ich zwei unverf�ngliche SMS an ihn verfasst habe. Abgeschickt habe ich sie aber nicht. Das habe ich schon gelernt. Es bringt nichts, zuviel Interesse zu zeigen. Da w�rde ich mich nur in die Position der Schw�cheren begeben und mich schlecht f�hlen. Schlecht f�hle ich mich nat�rlich jetzt auch, aber nicht auch noch dumm. Zum Gl�ck bin ich ja nicht mehr zwanzig!
Gleich verbringe ich noch zwei Stunden mit Mathilda. Susanna will heute Nachmittag mal zum Fris�r, das schafft sie normalerweise nicht, und Mathildas Vater passt auch nur sporadisch auf sie auf und schon gar nicht, wenn Susanna f�r sich pers�nlich etwas tun m�chte. Dabei ist Mathilda so s��! Manchmal w�nsche ich mir, auch ein Kind zu haben. Doch h�tte ich schon gerne einen Mann dazu, der die Verantwortung mit mir teilt.
Jetzt will ich mal lieber nicht an Felix denken.
Donnerstag, 14. Dezember
Es weihnachtet
Gestern war es im BLUE NOTE sehr sch�n. Wir haben vor allem Weihnachtsjazz gespielt. Pl�tzlich wurde mir ganz weihnachtlich zumute. Das Fest der Liebe ist ja schon n�chste Woche! Ich habe noch keine einzige Karte geschrieben. Schon letztes Jahr habe die Karten an meine Freunde im Ausland nicht rechtzeitig geschrieben und es dann gelassen. Wenn ich weiter so nachl�ssig bin, wird sich mein Freundeskreis bald auf die Leute vom BLUE NOTE und meine Nachbarn beschr�nken.
Und wie werde ich feiern? Von Felix habe ich nichts geh�rt. Ein romantisches Zusammensein unterm Weihnachtsbaum kann ich da wohl vergessen. Susanna f�hrt mit Mathilda zu ihren Eltern. Ben hat eine eigene Familie. Und von den anderen wei� ich es nicht.
Diesmal ist mir nicht danach wie fast immer Heilig Abend zu meinen Eltern zu fahren. Ich werde mir amerikanische Weihnachtsfilme ausleihen, vielleicht ein Weihnachtsessen kochen, das f�r drei Tage reicht und mir wahrscheinlich ziemlich Leid tun.
So, jetzt muss ich in die Musikschule.
Freitag, 15. Dezember 2006
Blumen
Als ich gestern von der Musikschule zur�ck nach Hause kam, lag ein winterlicher Strau� vor meiner Haust�r! Daran war eine Postkarte befestigt, von Felix. Der Strau� war offensichtlich von einem Blumenladen aus vorbeigebracht worden. Auf die Karte hatte Felix geschrieben, dass er dringend nach Bremen habe fahren m�ssen, da seine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert worden sei und sein Vater mit der Situation nicht klar k�me. Er will sich nach Weihnachten bei mir melden und denke viel an mich.
Sch�n, ich freue mich �ber den Strau�! Trotzdem bin ich jetzt Weihnachten allein! Und wie es weitergeht, das wei� ich auch nicht. Ich sollte mich bei Felix bedanken, aber mir ist nicht danach, ihn anzurufen�
In der Musikschule gibt es nichts Neues. Klaus freut sich auf den Auftritt heute Nachmittag! Die kleinen Sch�ler bekamen den letzten Schliff f�r ihre Auftritte unterm Tannenbaum.
Ich muss mich ablenken. Zwar habe ich noch Muskelkater, doch ich werde jetzt ohne viel Nachzudenken einfach losjoggen und dann ich hei�es Bad nehmen.
Und dann auf zum Gerichtsgig!
Samstag, 16. Dezember 2006
Ablenkung
Es war sch�n, mal wieder richtig zu spielen. Die Richter und Staatsanw�lte waren bester Stimmung, als wir WILD HORSES auftraten. Maria hatte uns die Fransenjacken und H�te wieder mitgebracht. Wir sollen sie jetzt behalten. Damit ist die Bandgr�ndung vollkommen! Nach unseren drei St�cken zogen die Jungs und ich die Cowboyklamotten wieder aus und spielten dann in Jeans und wei�en Hemden drei Sets Standards. Das hat richtig Spa� gemacht, auch weil jetzt Detlef am Schlagzeug dabei war. Und es gab f�r jeden 200 Euro auf die Hand, nicht schlecht! Und das Buffet war vom Feinsten! Nach meinem Sportprogramm vor dem Gig habe ich es besonders genossen.
F�r heute habe ich nichts mehr vor. An Felix will ich nicht denken, obwohl es an mir w�re, mich bei ihm zu melden. Schlie�lich habe ich mit den Blumen ein Geschenk von ihm bekommen. Ich bin so gut erzogen, leider, dass mir das ein schlechtes Gewissen bereitet.
Zum Gl�ck ist heute Abend die Record Release Party bei Cowboy Klaus. Da wird richtig was los sein, weil wir ja durch unseren Liveauftritt gestern echte Fans gewonnen haben. Ein wenig Ablenkung kann ich dringend gebrauchen!
Montag, 18. Dezember
Unter Miss Kittys Obhut
So langsam komme ich wieder zu mir! � Am Samstag bei Klaus habe ich etwas �ber die Str�nge geschlagen, alle anderen aber auch. Ich h�tte nicht gedacht, dass es mit den Staatsanw�lten so lustig sein kann. Nat�rlich waren auch Marias Freunde dabei, und die kommen eher aus der Ecke der bildenden K�nstler. Maria macht es richtig Spa�, die Dinge zu inszenieren.
Wegen der drei Songs von Klaus wurden an die f�nfzig Personen eingeladen, eine Squaredance Truppe gebucht und ein texanisches Buffet organisiert. Getr�nke gab es an einer Bar, die an eine Saloontheke erinnerte. Hinter dieser stand eine Art Miss Kitty aus RAUCHENDE COLTS, wunderbar! Au�erdem gibt es jetzt eine Website zu den WILD HORSES. Vielleicht verhilft mir das zum gro�en Durchbruch!
Jedenfalls hat das Ganze richtig Spa� gemacht, ich wei� jetzt, wie ein Squaredance funktioniert und habe mich vor allem mit unserem Schlagzeuger Detlef heftigst am�siert. Die K�lner wissen eben, wie man das Leben genie�t.
Miss Kitty hat freiz�gig Whiskey ausgeschenkt, ein Getr�nk, mit dem ich bislang wenig Erfahrung hatte. Das hat sich nun ge�ndert. Ich erinnere mich vage, dass Detlef mich vor meiner Haust�r abgesetzt hat. Und dann habe ich mich nur noch ins Bett geschleppt. Dort war ich bis gestern Mittag.
Klaus hatte seine WILD HORSES gro�z�giger Weise jeweils mit einem Vorrat an Demo-CDs versorgt. Weil ich es nun aufgegeben habe, originelle, kosteng�nstige und noch nie dagewesene Weihnachtsgeschenke f�r meine Eltern und Anverwandten besorgen zu wollen, werde ich einfach dieses Dokument meines kulturellen Wirkens verschenken.
Dienstag, 19. Dezember
Tannenduft
Gerade war ich auf dem Postamt. Da ist jetzt die H�lle los. Ich wollte meine texanischen Weihnachtsgr��e auf den Weg bringen und hatte nat�rlich nicht den entsprechenden Vorrat an Briefmarken. Die Damen auf dem Postamt schienen jedoch eine spezielle Anti Stress Schulung hinter sich zu haben, behielten den �berblick und bewirkten, dass fast jeder mit dem guten Gef�hl, seiner Weihnachtspflicht gen�gt zu haben, das Postamt verlie�.
Ich lie� mich sogar dazu hinrei�en, an dem Weihnachtsbaumstand, der auf meinem Weg nach Hause liegt, einen kleinen Weihnachtsbaum zu kaufen. Er passte mit M�h� und Not auf mein Fahrrad. Ich wei� gar nicht, was in mich gefahren ist. Ich bin wild entschlossen, mich zu verw�hnen, wenn dies schon kein anderer tut.
Gleich werde ich mir noch eine Tiefk�hlente und alles, was zu einem Traditionsessen dazu geh�rt, besorgen, und dann kann Weihnachten kommen.
Mittwoch, 20. Dezember
Weihnachtsmarkt
Mathilda darf in dieser Woche nicht mehr in die Krippe gehen, weil dort ein Magen Darm Virus um sich greift, und Susanna hat am Vormittag in ihrer Boutique zu tun. Da war ich heute Vormittag mit der Kleinen auf dem Weihnachtsmarkt. War das eine Freude! Mir selbst bedeutet der Leipziger Weihnachtsmarkt nicht viel, aber f�r Mathilda tat sich eine neue Welt auf! Die kleine Eisenbahn zum Mitfahren hat es ihr besonders angetan. Und das Karussell mit dem Pferdchen! Ich habe mich richtig mit ihr gefreut. Nat�rlich war in der Innenstadt selbst am Vormittag viel los, doch die Kleine war so voller Begeisterung, dass uns das gar nicht st�ren musste. Um zwei Uhr waren wir wieder zu Hause, und da hatte auch Susanna wieder Zeit. Ich habe n�mlich gleich noch Weihnachtsfeier in der Musikschule: Der kleine Paul wird WHITE CHRISTMAS vorspielen, und da will ich nat�rlich dabei sein.
Felix habe ich eine SMS geschickt: �Danke f�r die Blumen und Frohe Weihnachten!� Ob das jetzt so klug oder angebracht war, dar�ber brauche ich nicht mehr nachzudenken, die SMS ist abgeschickt.
Donnerstag, 21. Dezember 2006
Meine himmlischen Revuegirls
Die Musikschulfeier war ein Erfolg. Paul hat viel Applaus geerntet und seine Eltern waren sehr stolz auf ihn. Ich habe von ihnen eine Flasche Cr�mant d�Alsace �berreicht bekommen, ein Geschenk, �ber das ich mich sehr freue.
Carlos und Tommi, die auch �ber die Musikschule ihre Mieten finanzieren, waren ebenfalls da, um ihre Sch�ler zu unterst�tzen, und so waren wir anschlie�end noch gemeinsam auf dem Weihnachtsmarkt Gl�hwein trinken. Das war auch sch�n, nur der Schnee hat gefehlt.
Als wir uns dann gegen halb acht trennten � zur Session wollten wir nicht gehen � habe ich noch eine Runde bei CULINARIA gedreht: Maronen f�r den Rotkohl, Eier f�r eine Mousse au Chocolat. Ich freue mich aufs Kochen, doch f�hle ich mich doch seltsam, dass ich �berhaupt keine Gesellschaft eingeplant habe�
Heute Vormittag war Mathilda wieder bei mir. Wir haben einen Spaziergang gemacht, sie hat trotz der K�lte auf dem Spielplatz am Fokkeberg geschaukelt, und dann haben wir gemeinsam meinen kleinen Weihnachtsbaum geschm�ckt.
Mit dessen Kauf liege ich immerhin voll im Trend. Gerade habe ich in der ZEIT (Nr. 52, S. 64, www.zeit.de )gelesen, dass dieses Jahr 300 000 Weihnachtsb�ume mehr verkauft worden sind als im letzten Jahr. Das symbolisiert anscheinend das st�rker gewordene Bed�rfnis nach Zeichen der �Gemeinschaftlichkeit, N�he und Vertrautheit�.
Da sitzen dann vielleicht 299 999 weitere Singles in N�he ihrer Kitschengel unterm Weihnachtsbaum und f�hlen sich an Kindertage zur�ck erinnert? Zu dieser Gemeinschaft m�chte ich lieber nicht geh�ren!
Ich habe mir gleich die Engelkollektion hervorgeholt und sie etwas entweihnachtet. Das hat auch Mathilda gefallen, der nat�rlich der therapeutische Zweck meines Tuns entging. Perlen, Klebstoff und Nagellack haben die Engel in eine Truppe von Revuegirls verwandelt, die die Crazy Horse T�nzerinnen neidisch machen w�rde. Und ich f�hle mich gleich viel besser!
Und nun werde ich mich meinem Krimi widmen, Ruth Rendells END IN TEARS (Arrow Books, 2006), denn der Musikschulunterricht f�llt heute aus.
Freitag, 22. Dezember 2006
Lekt�re
Gestern habe ich zu lange in meinem Krimi gelesen. Wenn ich mich einmal auf ein Buch einlasse, h�re ich mit dem Lesen erst auf, wenn mir die Augen zufallen. Und das ist selbst dann so, wenn ich das Buch gar nicht so spannend finde. Bei END IN TEARS warte ich noch auf die ganz gro�e Spannung, finde aber Kommissarin Hannah mit ihren widerspr�chlichen Gef�hlen sich selbst und ihrem j�ngeren Kollegen gegen�ber doch sehr fesselnd. Nebenbei sind jetzt schon zwei junge Frauen ermordet worden und die Tochter von Kommissar Wexford bet�tigt sich als Leihmutter�
Heute Morgen war Mathilda ein letztes Mal vor der Weihnachtspause bei mir. Susanna muss in der Boutique ein letztes Mal f�r Last Minute Geschenkek�ufer Pr�senz zeigen, dann fahren die Beiden zu Susannas Eltern.
Ich war mit der Kleinen wieder auf dem winterlichen Spielplatz, und dann haben wir einen ausgiebigen Spaziergang in der S�dvorstadt gemacht. Dabei ist sie eingeschlafen. Arme Susanna, dann wird Mathilda heute Abend sicher l�nger als sonst wach sein. � Ich muss ihr bis morgen fr�h noch ein Kamel n�hen!
Vorhin hat sich auch schon meine Planung f�r Silvester er�brigt: Ich soll bei den SUGAR BABIES f�r deren Silvestergig irgendwo auf dem Lande aushelfen.
Samstag, 23. Dezember 2006
Letzte Vorbereitungen
Die beiden jungen Frauen, deren Ermordung bei END IN TEARS aufgekl�rt werden soll, waren wahrscheinlich in den internationalen Drogenhandel verstrickt. Und die �u�erst attraktive Kommissarin Hannah wird von ihrem gutaussehenden jungen Kollegen zwar zum Dinner ausgef�hrt, doch dann lehnt er Hannahs Angebot ab, die Nacht mit ihr zu verbringen. Unglaublich! Die Motive f�r diese Zur�ckweisung bleiben noch offen�
Ganz so weit ist es ja bei Felix noch nicht gekommen. Trotzdem hoffe ich, von der Kommissarin lernen zu k�nnen, wie eine Frau mit einer solchen Schmach umgehen soll. Dann werde ich einer weiteren Begegnung mit Felix, sollte es �berhaupt zu einem Wiedersehen kommen, gelassen und ger�stet entgegensehen.
Ich habe Susanna ein kitschig buntes, perlenbesticktes Kamel f�r Mathilda �bergeben. Ich werde die Beiden vermissen!
Nun gehe ich noch die letzten Eink�ufe machen � mir fehlt Sekt! � und werde mich nach einem Besuch in der Filmgalerie Alpha 60 in meinen Weihnachtsr�ckzug begeben. Vielleicht g�nne ich mir auch eine feiert�gliche Tagebuchpause�
29. Januar 2008 um 14:44
hallo!
musste ja schon sehr lachen, dass es eine lili im internet gibt, die den bobo siebenschlfer kennet:
“Als der Kuchen dann im Ofen war, habe ich Bekanntschaft mit BOBO gemacht, der Hauptfigur aus Mathildas neuem Lieblingsbuch, BOBO SIEBENSCHLFER, von Markus Osterwalder (Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Taschenbuchverlag, 1984). Sehr lebensnah, was so ein kleines Siebenschlferkind alles tut, wnscht und erlebt. Nachdem wir drei Mal BOBOs Abenteuer nachvollzogen hatten…”
da ich selber auch eine lili bin und der autor dieser geschichte mein onkel, mchte ich gerne noch das zweite bobo buch (bobo siebenschlfer mach tmunter weiter, rotfuchs 20416) empfehlen, worin dann sogar auch eine lili (meine wenigkeit als kind) vorkommt. irgendwie doch sehr passend zu dieser tollen seite.
liebe grsse
lili
30. Januar 2008 um 10:22
http://stephanieashmore.webs28.com/of3534.html
1. Februar 2008 um 00:45
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1. Februar 2008 um 18:13
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2. Februar 2008 um 20:20
The upcoming New York International Auto Show (NYIAS), dubbed as the biggest event of its kind, will be hosting concept vehicles from United States second largest car manufacturer, Ford. honda car sales
3. Februar 2008 um 13:09
Hello, my Dear……Tell me , what my photo doing there?….??
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3. Februar 2008 um 13:55
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18. Februar 2009 um 04:41
Новый способ давления на кандидата на пост Главы г. Химки
Новый способ “наказать” тех, кто посмел участвовать в выборной кампании не на стороне действующей власти изобрели правоохранительные органы г.о. Химки.
Руководствуясь не нормой закона, а чьей-то “волей” сотрудники милиции решили “проверить” все фирмы, внесшие денежные средства в избирательный фонд неудобных кандидатов.
Начались “проверки” с телефонных звонков - где директор, сколько человек работает на фирме. После чего последовали “письма счастья” с просьбой предоставить всю бухгалтерскую документацию, учредительные документы фирмы, и даже, план экспликации БТИ.
Такие запросы химкинским фирмам рассылает 1 отдел Оперативно-розыскной части № 9 Управления по налоговым преступлениям ГУВД Московской области за подписью начальника подполковника милиции Д.В. Языкова.
И всё это в то время, когда Президент дал прямое указание правоохранительным органам о прекращении всех незаконных проверок малого и среднего бизнеса. С это целью внесены изменения в Федеральный закон “О милиции” - из статьи 11 этого закона исключены пункты 25 и 35, на основании которых ранее правоохранительные органы имели право проверять финансово-хозяйственную деятельность предприятий.
Видно, об изменениях действующего законодательства местные правоохранительные органы не уведомлены. И не смотрят телепередачи с выступлениями Президента.
Может быть, эта публикация подвигнет их к исполнению указаний Президента, а также к изучению и соблюдению действующего законодательства
10. November 2009 um 23:56
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