Fenchel
28. Februar 2007
Heute werde ich im Bett bleiben. Das Ölziehen mit Sonnenblumenöl behalte ich bei, soll es doch Bakterien entfernen. So ganz glaube ich aber nicht mehr daran, denn theoretisch hätte mich das Öl vor dem Husten und den Halsschmerzen bewahren sollen. Heute setze ich auf Fencheltee, davon habe ich noch welchen, Honig auch. Denn ( www.top-fit-gesund.de ) die Süße reizt über die Rezeptoren in der Mundschleimhaut derart, dass dies zu einer gesteigerten Sekretion der Drüsen in der Schleimhaut der Bronchien führt. Das lindert den Hustenreiz.
Ich huste nämlich inzwischen so viel herum, dass ich an´s Saxophon Spielen gar nicht mehr zu denken brauche, an die Session heute Abend natürlich auch nicht.
Abgeklemmt
27. Februar 2007
Gestern Nachmittag stand ein Mann vor meiner Tür. “Sehen Sie fern?” “Nein!” - Das konnte ja nur eine Kontrolle zu meinem unangemeldeten Fernseher sein. “Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass ich den Anschluss Ihres Vormieters abgeklemmt habe. Sie können aber bei mir gerne einen Kabelanschluss beantragen.” Meine Antwort durfte nur sein: “Ich habe keinen Fernseher und möchte auch keinen haben.” Ich wollte mich ja nicht einer Lüge überführen lassen. Ob das mit dem Kabelfernsehen stimmte? Ich konnte sowieso nur ein paar Kanäle empfangen.
Dumm ist allerdings, dass ich nun gerade heute, wo Elisabeth Taylor, mit der ich geglaubt hatte, die Haarfarbe zu teilen - meine ist aber nach Auskunft meines Friseurs nur reines Asch - , fünfundsiebzig Jahre wird. Ich hatte gehofft, Die Katze auf dem heißen Blechdach oder Cleopatra präsentiert zu bekommen. Zwei Oscars, acht Ehen, unzählige Skandale und eine von der Queen ernannte “Dame”. Das soll mal jemand nachmachen.
Jetzt konzentriert sie sich laut Stuttgarter Zeitung auf ihren Malteser Sugar.
Hätte ich es mal so weit gebracht, dann würde ich mit meinen Möpsen � vier bis fünf � nur noch vor dem Kabelfernsehen liegen, so fühle ich mich augenblicklich.
Der Lindenblütentee hat nicht angeschlagen.
Lindenblüten
26. Februar 2007
Das Wochenende war ruhig. Ich habe viel auf Mathilda aufgepasst, die stark erkältet ist. Susanna musste am Samstag arbeiten.
Mathilda ist inzwischen eine Anhängerin von Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi geworden, Figuren, die im Sandmännchen auftauchen und zu denen sie eine CD besitzt. Den CD Player kann sie allein bedienen. Darum hat sich auch bei mir folgende Botschaft eingeprägt: “Braun wie Schokolade ist mein Pferdchen Franz, vorn hat es zwei Ohren, hinten einen Schwanz”.
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Ich wollte mit PETER UND DER WOLF gegenhalten, doch wurde mein Beitrag abgelehnt: “Nicht Peter, nicht Wolf”. Die müssen also warten. Mehrere HÄNSCHEN KLEINs und BRÜDERLEIN, KOMM TANZ MIT MIR beförderten Mathilda nach Milchreis mit Apfelmus in den Mittagsschlaf. Als Susanna wieder zurück war, verspürte ich ein erstes Halskratzen.
Gestern habe ich mich gut ausgeruht, die Wohnung aufgeräumt und mein Teearsenal gesichtet. Es bahnt sich eine Erkältung an. Ich trinke seit gestern Lindenblütentee mit Honig und Zitrone.
Als ich es mir vor dem Fernseher gemütlich machen wollte, funktionierte dieser nicht. Vielleicht ist dies eine mir von höherer Instanz verordnete geistige Reinigung, die meinen Alkoholverzicht begleiten soll. Leichte Kost von Liane Moriarty, Drei Wünsche frei, war jedoch Entschädigung für den Verlust des Fernsehens.
Blonde Venus
24. Februar 2007
Gestern hatte ich den ganzen Tag schlechte Laune. Ich habe viel geübt und die Wohnung aufgeräumt. Doch so richtig wusste ich nichts mit mir anzufangen.
Dann rief mich Maria an. Im Froschcafé trat ihre Lieblingssängerin Ines Agnes Krautwurst auf, und zwar mit ihrem Marlene Dietrich Programm BLONDE VENUS. Ob ich mitkommen wollte? Klar, dachte ich, nur raus aus meinem abstinenten Trübsal.
Das Café (www.frosch-cafe.de) war recht mäßig besucht. Ich hatte keine bestimmten Erwartungen an den Abend, war aber neugierig auf die Sängerin, von der Maria mir schon öfter erzählt hatte. Ich bestellte Milchcafé, Maria Rotwein.
Und dann kam sie, mit glitzerndem Rothaar und einem eleganten Samtkleid mit Crasheffekt. Die Schneiderin in mir ließ meine Laune gleich besser werden.
Die erste Hälfte des Programms war den früheren Liedern von Marlene Dietrich gewidmet. Ines Agnes Krautwurst hatte die Songs so ausgewählt, dass sie die Stationen des Lebens von Marlene Dietrich illustrierten.
Zwischen den Songs las Ines Krautwurst aus dem Leben der Dietrich. ![]()
Ich war hingerissen vom Gesang und auch der Schauspielkunst dieser wunderbaren Sängerin! Und ihr Begleiter, Stephan König, umspielte und stützte wie ein geschickter und intelligenter Tänzer die Worte von Ines Krautwurst. Nimm Dich in Acht vor blonden Fraun! Wie eine Wildkatze beherrschte sie die Bühne. Auch die Wahl der Titel! All of me als Zeichen der schwierigen Beziehung Marlene Dietrichs zu Berlin und Deutschland.
Nach der Pause die Zeit der Dietrich in Paris. Ines Krautwurst im engen roten Kleid. Schau mich bitte nicht so an - La vie en rose. Bei Ne me quitte pas - kamen mir die Tränen. Das hat schon länger keiner mehr geschafft! Und Bei mir soll´s rote Rosen regnen singt Ines Krautwurst besser als die Knef es konnte.
Am kommenden Donnerstag ist Ines Agnes Krautwurst mit einem Jazzprogramm im Starclub (www.starclub-leipzig.de) zu hören.
Ich werde hingehen.
Fürs Protokoll: Auf dem Nachhauseweg fuhr an der Tankstelle Gustav-Mahler-Straße vorbei und kaufte eine Flasche Rotwein. Mir der und meinem Buch über Marlene Dietrich ging ich in die Badewanne. Dazu legte ich meine Edith Piaf CD ein. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Heute werde ich abstinent bleiben.
Beton
23. Februar 2007
Gestern war es schon besser. Ich begann den Tag mit dem Ölziehen. Sonnenblumenöl ist schön neutral und hinterlässt im Mund ein samtiges Gefühl. Das kann ich also beibehalten. Auch versp�üte ich heute Morgen nach der Sponsorennacht eine andere Art von Müdigkeit als sonst, wenn Alkohol mit im Spiel war.
Die Party fand in einer Lagerhalle in Eutritzsch statt. Für uns WILD HORSES waren auf der Bühne Strohballen drapiert worden. Auch ein Banner gab es - WILD HORSES, stark wie Müller Beton�. Genial! Ob Herr M�üler das mit Klaus abgesprochen hatte? Ich fühlte mich in meinem Vorbehalt, dass Beton in seiner Festigkeit nicht ganz zum Temperament der Wildpferde passte, bestätigt.
In der Halle war alles recht rustikal. Vor dem Eingang drehte sich ein Betonmischer. Es gab Bier vom Fass - für mich leider nicht. Und ansonsten Steaks und Würste vom Grill, dazu texanischen Bohnensalat und Kartoffelsalat. Beton Müller scherte sich nicht um die Fastenzeit.
Das Publikum war laut und fröhlich. Dominierend waren Leute vom Bau. Klaus hatte natürlich auch seine Juristenkollegen eingeladen. Die schienen sich nicht ganz so wohl zu fühlen.
Wir WILD HORSES spielen unser kleines Repertoire mit Klaus´Kompositionen ab. Die Jungs hatten alle ein Bier mit auf die Bühne gebracht. Irgendwie machte mich das übellaunig. Dann kümmerte sich Klaus um den Sponsor, der für uns die Aufnahmekosten für eine CD übernehmen wird. Wir spielten im Hintergrund Standards, die den Juristen gefielen. Die Leute vom Bau verlangten nach Schlagern. Herr Müller gab dem nach und legte eine entsprechende Konservenmusik ein. Wir bekamen jeder 200 Euro auf die Hand, bauten ab und gingen zum Fassbier. Hier wurde ich fast schwach. Die Schlager sind nüchtern für mich schwer zu ertragen. Herr Müller versuchte, mit mir zu flirten. Ihm war wohl heiß. Er trug ein weißes Oberhemd und nichts außer seiner Brustbehaarung darunter. Das Hemd spannte am Bauch. Seine Brustwarzen reckten sich gegen den Stoff. Mit meinem Mineralwasser in der Hand fühlte ich mich wehrlos. Zum Glück baute sich unser Schlagzeuger Detlef neben mir auf. Herr Müller wandte sich seinen Gästen zu.
All das ohne Alkohol! Ich fuhr dann gleich nach Hause, badete und trank Schlaftee. Wie lange ich das wohl durchhalte?
Abstinenz
22. Februar 2007
Gestern bei der Session war es tatsächlich hart für mich. Eigentlich gelte ich unter den Musikern als trinkfest. Ben, dessen Ina mich zu meiner Abstinenz inspiriert hat, war auch keine Stütze. Wie immer tranken alle Schwarzbier oder Pils vom Fass. Ich trank Apfelsaftschorle, die gilt auch als gesund. Der Abend hat trotz unseres Themas LATIN keinen Spaß gemacht.
Was heißt das? Bin ich schon abhängig? Kann ich nur mit Alkohol Spaß haben?
Nachher kommt die nächste Herausforderung: Die Sponsorenparty bei Klaus. Ich brauche Glückshormone im Blut. Auf in den Park zum Joggen!
Detox
21. Februar 2007
Die Flasche Sekt habe ich gestern natürlich noch ausgetrunken, komplett! Das ist schon erschreckend. Mir ging es heute Morgen ganz gut. Zum Glück habe ich diesen Beschluss zur Abstinenz gefasst.
Das wird meinem Geldbeutel und meiner Gesundheit gut tun.
Mein Motto soll DETOX sein. Das empfiehlt die neue WOMAN (www.woman-magazin.de): Kein fettes Essen, Bewegung (mein Joggen ist wirklich zu sporadisch geworden), viel Obst, Gemüse, Mineralwasser. Und vor dem Zähneputzen einen Teelöffel Sonnenblumenöl fünf Minuten im Mund hin und her bewegen, “Ölziehen” heißt das und soll Bakterien in der Mundschleimhaut binden und so entfernen!
Meine Oma hat sich früher immer mit einer Wacholderbeerenkur entgiftet: Täglich eine Wachholderbeere mehr zu sich nehmen, bis man so bei etwa zwölf Beeren pro Tag ist, dann das Ganze rückwärts. Als Kind habe ich das ausprobiert, deshalb wende ich mich jetzt lieber anderen Detox-Methoden zu.
Das Blue Note heute Abend wird die erste Prüfung sein�
Mardi Gras
20. Februar 2007
Heute ist der letzte Tag! Mardi Gras! In New Orleans ziehen die Bands durch die Straßen. Marching in seiner Urform, keine weiß gekleideten Barbies mit Saxophonen im neu eröffneten Kaufhaus. Heute wird noch einmal fett gegessen, Beignets in Frankreich und New Orleans, Berliner oder Pfannkuchen, wie dasselbe Gebäck in Berlin heißt, bei uns. Drei Stück habe auch ich mir heute im Laufe des Tages genehmigt, ein Sonderangebot�.
Wie streng ich es mit den Fastenregeln - abgesehen vom Alkohol natürlich - nehme, weiß ich noch nicht. Die Berliner liegen mir jedenfalls schwer im Magen.
Ich habe noch eine Flasche Sekt. Heute darf ich noch�
Rosenmontag
19. Februar 2007
Gestern war ich bei Ben und Ina zum Brunch eingeladen. Ina hat auf diese Weise Bens Geburtstag ausgerichtet.
Ich mag Brunches gerne, vor allem, wenn man an dem Tag nichts weiter vorhat und den Brunch nicht selbst organisiert. Ich habe bis elf Uhr geschlafen, gebadet und mich dann aufs Fahrrad geschwungen. Als ich eintraf, war die Frühstücksgesellschaft schon komplett. Es gab viele leckere Sachen zum Essen, Quiches, Waffeln, frischen Salat, Kaffee und Sekt. Die anderen hatten schon einiges gegessen und getrunken.
Während ich Kaffee trank und mir eine Waffel mit Nutella und Schlagsahne zurechtmachte, kam das Thema auf Fasching und die Fastenzeit, die ja am Aschermittwoch beginnt.
Ich ergänzte die mein Waffelensemble noch um einen Klecks Apfelmus. Ina will auch dieses Jahr wieder eine persönliche Fastenzeit einlegen. Für sie bedeutet das Verzicht auf Alkohol. Ich lie�ßmir von Ben ein Glas Sekt einschenken.
Ein anderer Gast hatte seine Fastenzeit schon hinter sich. Er verzichtete immer von Silvester bis zu seinem Geburtstag Mitte Februar auf Alkohol. Nun war er dabei, sich fßr die Entbehrung zu entschädigen und hatte schon einige Gläser Sekt getrunken.
Ich habe noch nie eine längere Zeitspanne des Alkoholverzichts auferlegt.
Die Fastenzeit geht bis Ostern und dauert vierzig Tage. Die Sonntage werden nicht mitgezählt. Ob dann getrunken werden darf?
Das italienische “carnelevare” bedeutet “ohne Fleisch”. Fleisch ist also auch tabu, ebenso Eier. Deswegen gibt es zu Ostern die hart gekochten Eier, die so die Fastenzeit überlebt haben.
Als ich vom Brunch nach Hause fuhr, hatte ich ein paar Gläser Sekt getrunken und den Vorsatz gefasst, es Ina gleichzutun. Es war vier Uhr nachmittags und ich musste mich hinlegen, schlief dann auch gleich ein und erwachte um sieben mit Kopfschmerzen.
Heute im Fernsehen ist alles voller Narren und Jecken. Ich bin norddeutsch geprägt und kann mit diesem Treiben wenig anfangen.
Jetzt mit einem Glas Rotwein in die Wanne!
Alkohol ist bei mir erst ab Mittwoch tabu!!
Begleitschutz
17. Februar 2007
Mathilda ist seit einer Woche eine Prinzessin, Prinzessin Angelina. Die Häkelkappe, die ich ihr für den Krippenfasching verschönert hatte, zieht sie Tag und Nacht an. Eine Frisur ist nun überflüssig.
Susanna musste heute mit ihrer Boutiquenchefin zu einer Messe fliegen und kam erst heute Nachmittag zurück. Ich war bis vor einer Stunde für Mathilda zuständig.
Heute Nachmittag war Mathilda bei der großen Schwester ihrer Krippenfreundin Linda zum Fasching geladen, ich war ihr Begleitschutz. Das könnte auch ein Nebenjob sein, dachte ich.
Als ich Kind war, konnte man sich aussuchen, Indianerin, Clown, Räuber oder Zauberer zu sein. Oder Pippi Langstrumpf!

Heutzutage haben kleine Mädchen die Wahl zwischen einem Prinzessin Lillifee Kostüm und einer Verkleidung als Prinzessin. Die ganze Frauenbewegung war sinnlos!
Mit kleiner Verspätung trafen wir bei Lindas Mutter, Karin, ein. Die Mütter der größeren Mädchen - alle schon fünf Jahre alt - hatte ihre Töchter einfach nur bei Karin abgeliefert, froh darüber, ein paar ruhige Stunden zu haben.
Ich aber stand im Dienst Prinzessin Angelinas und musste ihr beistehen.
Die Prinzessinnen - vier Lillifeen und zwei unbekannte Königstöchter - hatten sich schon andächtig vor der Stereoanlage versammelt, um einer Lillifee-CD zu lauschen. Mathilda setzte sich zu Linda. Die kleinen Prinzessinnen konnten den Liedern inhaltlich nicht ganz folgen, waren aber dennoch sehr vergnügt.
Dann eröffnete Karin das Buffet. Sie war von den Vorbereitungen schon einigermaßen erschöpft. Die rosa gekleidete Gesellschaft stürzte sich auf die gefüllten Berliner und versorgte sich mit Apfelsaft. Prinzessin Angelina zeigt auch keinerlei Hemmungen und hatte sogleich einen pflaumenmusverschmierten Mund. Dadurch wurde das Prinzezinnenhafte wieder etwas aufgehoben.
Jetzt eine rote Zopfperücke, und eine Pippi hätte sich bei den Prinzessinnen eingeschleust!
Karin rief einige Ermahnungen in die Meute, gab aber bald auf. Wir zogen uns in die Küche zurück, um uns einen Schluck Sekt zu genehmigen.
Der nächste Programmpunkt hieß TANZ. Lindas große Schwester legt eine andere Lillifee -CD ein. Zu Sissi Perlinger tanzten die Damen nun. Nicht alle. Prinzessin Angelina konnte sich nicht vom Buffet lossagen. Sie war sicher schon beim zweiten Berliner. Mit Bestimmtheit wusste ich das leider nicht, was mich etwas nervös machte. Na ja, wäre sie Pippi, hätte ich sie sowieso nicht kontrollieren können.
Jetzt wollte auch Angelina tanzen. Aber nicht alleine. Ich sollte mitmachen. Ganz schön anstrengend war das.
Dann wurde meine Prinzessin ganz blass. Ihr wurde schlecht, und ich konnte sie gerade noch ins Bad bugsieren, wo sie eine größere Menge grob zerkleinerter Teigwaren erbrach.
Danach war sie ganz still. Ich wischte alles mit Toilettenpapier und einem Scheuerlappen weg und chauffierte die Hoheit nach Hause. Susanna war glücklicher Weise schon zurück.
Begleitschutz? Ich brauche eher mehr Gigs!