Sinn fürs Geschäft

30. November 2006

Klaus hatte heute die Fotos von den WILD HORSES dabei. Gar nicht schlecht, und die winterliche Sonne am letzten Sonntag hat uns in ein schön kitschiges Licht getaucht, wunderbar. Die braune Stute mildert die Wildheit der Musiker zwar beträchtlich, doch Klaus scheint das nicht zu stören. So ließ ich diesen Eindruck auch lieber unerwähnt.

Und das Foto von unserem Trio ist auch nicht schlecht. Zwar bringen wir mit unseren Jeans und weißen Hemden nicht so ganz eine werbewirksame Lounge Atmosphäre rüber, doch wir sehen immerhin professionell und vorzeigbar aus.

Die kleinen Sch�üer üben fleißig für Weihnachten, der kleine Paul nun auch schon HARK, THE HERALD ANGELS SING.

Auf dem Rückweg von der Musikschule, der mich ja durch die Innenstadt führt, staunte ich allerdings nicht schlecht. Da stand doch glatt der kleine Paul mit seinem Altsax und übte sozusagen öffentlich sein Weihnachtsprogramm. Vor ihm der offene Saxophonkoffer mit etlichen Eurostücken darin. Um ihn herum eine Schar wohlwollend lächelnder älterer Frauen. Mit dreizehn habe ich noch TOM SAWYERS ABENTEUER gelesen und zu Hause Klarinette geübt, meist sogar nur widerwillig.

Um Paul muss ich mir also keine Sorgen machen!

Die Session gestern! Ich hatte mich in Schale geworfen, denn Felix hatte doch sein Kommen angekündigt. Als er gegen zehn immer noch nicht da war, war meine Stimmung doch etwas gedämpft. Die anderen wunderten sich schon, was mit mir los sei, aber das behielt ich dann doch lieber für mich.

Morgen nimmt mich Carlos im Auto nach Chemnitz mit, wo die Volksmusikshow läuft.

Und wer rief jetzt gerade an? Felix! Er habe es leider nicht zur Session geschafft, weil er sich noch mit einem potentiellen Bauherrn in Berlin treffen musste. Er will mich aber unbedingt wieder sehen und kann mich am Dienstag mit dem Auto nach Berlin mitnehmen. Das ist doch was! Immerhin spare ich dann Fahrgeld, wenn sonst nichts aus der Sache wird� Viel erwarte ich nicht mehr von Felix. Nach soviel Warterei ist einfach der Dampf raus.

Berlin

29. November 2006

Berlin ist zu Leipzigs Vorort geworden! Mit dem ICE ist man in wenig mehr als einer Stunde am neuen Hauptbahnhof. Von dort bin ich dann mit der S-Bahn zu Silke nach Mitte gefahren, um dann nach einem kleinen Kaffeeplausch mit ihr zur Probe nach Kreuzberg aufzubrechen.

Die große Überraschung war, dass die SUGAR BABIES von einem Mann geleitet werden. Das erklärt auch den Bandnamen! Der Erfinder der SUGAR BABIES versucht sich als Sänger, verkörpert äußerlich die dreißiger Jahre und riecht nach Souterrain und einem Leben ohne Badewanne. Im wirklichen Leben heißt er Patrick Schnarrdorf, nennt sich aber mit Künstlernamen - im Pass eingetragen! - Ernesto Grothe.

Die Musikerinnen waren alle pünktlich zur Stelle, bis auf das erste Alt, Katrin. Sie kam mit ihrem Rennrad verspätet angehetzt. Silke hatte mir ja gesagt, was geprobt werden sollte, nur hielt sich Patrick alias Ernesto nicht an seine Vorgabe. Aber ich hatte ja das Prinzip der Abläufe verstanden, und so kamen wir ganz flott voran. Ernesto regte sich vor allem über den Blechsatz auf, dessen Besetzung wohl auch weniger stabil als die des Saxophonsatzes ist. Die Damen im Blech sind seltener als wir und wegen des sportlichen Anspruchs ihrer Instrumente auch streitbarer. Und Ernesto hat eben immer Recht, das merkte ich schnell. Doch was soll´s. So eine Aushilfe ist in jedem Fall interessant. Und wenn Ernesto mit Schmelzstimme oder zumindest dem Ansatz dazu singt: “Eine Freundin so goldig wie du, etwas Frühling und Mondschein dazu, das wär was, das wär was, das wär etwas für mich. In der Bar eine Geige die weint, unsre Herzen im Tango vereint, das wär was, das wär was, das wär etwas für mich. Wann kommst du, wann kommst, s�üßs Mädchen du? Wann ist das erste Rendez-vous!”, wenn er das singt, dann vergesse auch ich einen Augenblick den Souterraingeruch. Waren das noch Zeiten! Wenn jemand das für mich singen würde, Felix zum Beispiel. Doch ich glaube, da kann ich lange warten.

Nach der Probe waren Silke und ich in Kreuzberg in einer Kneipe und haben uns einen richtig netten Frauenabend gemacht. Heute Vormittag war ich in Mitte unterwegs, auch in meinem geliebten Perlenladen an den Hackeschen Höfen. Nächste Woche bin ich ja wieder in Berlin zur Probe, dann könnte ich in der Hauptstadt ein paar Weihnachtseinkäufe machen.

Alles in allem war es eine schöne Abwechslung, auch wenn ich dadurch das Herbie Hancock Konzert im Gewandhaus verpasst habe. Es hätte sogar noch Karten gegeben!

Na ja, Eddie als Pianist hat sich das Konzert nicht entgehen lassen und wird mir zumindest später im BLUE NOTE davon berichten.

Auf zu den SUGAR BABIES

28. November 2006

So, gleich muss ich los. Heute Vormittag habe ich das Programm für heute Abend noch mal auszugsweise geübt. Manche Arrangements haben es in sich, auch die Abläufe sind nicht immer so leicht zu erfassen.

Dann rief Felix an! Er fährt auch heute nach Berlin, aber erst abends. Ob wir uns mal treffen können, es sei doch auf der Baustelle so interessant gewesen, sich mit mir zu unterhalten. Ich habe ihm gesagt, dass ich zur Zeit sehr eingespannt bin. Da hat er vorgeschlagen, dass er morgen Abend ins BLUE NOTE zur Session kommt. Das hat er sich also gemerkt, dass ich dort öfter anzutreffen bin. Nun wird sich ja zeigen, wie interessiert er wirklich an mir ist.

So, jetzt schnell zum Bahnhof.

Fototermin

27. November 2006

Als ich gestern um zehn Uhr morgens mit meinem knatternden Ford Fiesta eintraf, waren Klaus und Maria, seine Frau, schon dort. Sie schichteten Strohballen vor dem Stalltor zu einem dekorativen Ensemble. Marias Pferd stand auch schon gestriegelt und glänzend vor dem Stalltor und wartete auf das Startzeichen zum Shooting. Von Ben, Tommi und Detlef keine Spur. Dafür war der Fotograf schon da und stellte die Beleuchtungsschirme ein. Klaus rief Tommi an. Ben hatte verschlafen, deswegen hatte sich der Aufbruch verzögert.

Maria zeigte mir stolz ihre Sammlung an Cowboykleidung, die sie für die WILD HORSES zusammengetragen hatte: Cowboyhüte, Fransenjacken, schimmernde Gürtel. Ich durfte mir gleich etwas Passendes aussuchen. Da traf dann auch der Rest der Band ein, nicht so sehr gut gelaunt, aber wie verabredet in Jeans und weißen Hemden. Detlef baute sein Schlagzeug auf, das komplette Drumset, Klaus bestand darauf. Dann bekamen die Jungs von Maria ihre Kostümierung zugewiesen, wehrten sich erfolgreich dagegen, sich die Nase pudern zu lassen und postierten sich samt Instrumentarium auf den Strohballen. Ich sollte mich mit Saxophon dazu setzen und tat wie mir geheißen. Klaus postierte sich als wichtigstes WILD HORSE vor uns, halb vor Tommi, so dass dessen Turnschuhe fürs Foto verdeckt würden.

Klaus hatte sich vorgestellt, dass Marias Pferd, Black Eagel, im Hintergrund am Stroh knabbern sollte. Black Eagel fand das aber nicht so interessant, und so band Maria ihn provisorisch direkt neben mir an einem der Bänder fest, mit denen die Strohballen zusammen gehalten werden. Nun konnte es losgehen. Wir taten, als ob wir spielen, alle, bis auf Detlef. Der schlug ein paar Mal kräftig auf die Hi Hat, Black Eagel riss sich los und brachte meinen Strohballen ins Wanken. Beim Stürzen konnte ich gerade noch mein Saxophon hochhalten und fiel unsanft auf die Knie.

Gar nicht so leicht, so ein Fotoshooting. Maria fing Black Eagel wieder ein, aber der wollte sich partout nicht mehr in die Nähe des Schlagzeugs begeben.

Maria machte sich daran, ein anderes Pferd zu holen, die zweite Besetzung sozusagen. Als ich vorschlug, die Zeit für unser Demofoto fürs Trio zu nutzen, waren alle einverstanden. So richtig wohl fühlte sich niemand als Cowboy, abgesehen von Klaus natürlich. Hüte ab, Fransenjacken aus, und mit den Instrumenten vors Stalltor gestellt. Das gab jetzt nicht die ideale Jazz Kulisse ab, aber der Fotograf war nun mal hier im Reitstall�

Zwanzig Minuten später war Maria mit einer übergewichtigen älteren Stute wieder da. Wir hatten Detlef eingeschärft, sich ruhig zu verhalten. Wieder als Cowboy beziehungsweise ich als Cowgirl verkleidet, bewältigten wir unsere Aufgabe ohne weitere Zwischenfälle. Ich bin gespannt auf die Fotos!

Felix hat noch nicht angerufen! Wenn er sich bis heute Abend nicht meldet, werde ich die Begegnung mit ihm einfach vergessen.

Silke hat mir Noten für die Probe morgen geschickt. Alles Kopien von Noten aus den zwanziger und dreißiger Jahren mit schönen Titeln wie WAS DU MIR ERZÄHLT HAST VON LIEBE UND TREU, HEUT ABEND BIN ICH FREI (das könnte ich ja Felix melden�) oder WUNDERSCHÖN IST ES VERLIEBT ZU SEIN. Da bin ich ja gespannt. Ich fange gleich mal an, die Schlager durchzuspielen.

Neue Aussichten

25. November 2006

Das tat gut, so lange schlafen. Nach einem langen Nachmittagsschlaf habe ich gestern Abend noch die Reste des Tortillaschmauses vom Donnerstag gegessen und mir dann noch auf DVD einen meiner Lieblingsfilme angesehen, DAS PIANO. Holy Hunter und Harvey Keitel, einfach grandios�

Vorhin war ich in der Stadt, um Bücher für Mathilda aus der Bibliothek zu holen. OPAS ENGEL von JUTTA BAUER (Carlsen, Hamburg, 2001) musste ich verlängern lassen, Mathilda verlangt noch immer regelmäßig, dass ihr daraus vorgelesen wird. Aber über DU WIRST KÖNIG, BASTA! (Jean-Baptiste Baronian, arsEdition, München, 1996) wird sie sich bestimmt auch freuen. Die Bilder sind in ihrer Üppigkeit wunderbar! Mein Schneiderinnenherz fing gleich an, schneller zu schlagen, als ich die fantasievollen Kostüme der Tiere in dem Buch sah! Da sitzen Papa Löwe und sein Sohn, der Thronfolger werden soll, genießerisch in schönster Schlafwäsche vor leckersten Törtchen auf einer prunkvollen Bettdecke und besprechen die Zukunft beim Dominospiel� So schön kann das Leben sein.

Schon dieses Bild allein inspirierte mich dazu, den Kaffeeladen (www.ganos.de) neben der Bibliothek zu besuchen. Sonst trinke ich ja nicht so gerne Kaffee, aber dort wird er im Haus geröstet. Und dann ist er dick und cremig, wenn man ihn im Presskännchen zubereitet, einfach unvergleichlich. Ich habe dann gleich noch dort einen Espresso getrunken, begleitet von einem feinen Schokoladenriegel.

Tja, und jetzt mache ich mir Gedanken wegen morgen, der Fototermin naht! Was ziehe ich an? Für die WILD HORSES ist es mir ja egal, da wird Klaus� Frau die Garderobe für die Band organisieren. Aber für unser Bandfoto? Da muss ich ja auch mit Ben und Tommi noch mal reden�

Und Felix? Der hat sich auch noch nicht gemeldet. Vielleicht sollte ich ihn nachher anrufen! Oder lieber nicht? Mich rar machen? Mal sehen�

Baustelle

24. November 2006

Heute Vormittag war nun mein Baustelleneinsatz. Die PRETTY PRINCESSES hatten schon die Verstärkeranlage aufgebaut und waren dabei, sich warm zu tanzen, zur großen Freude der Bauarbeiter. Der Bauherr und Auftraggeber begrüßte uns mit kräftigem Handschlag und überreichte uns drei Bauhelme. Er bestand darauf, dass wir sie aufsetzen sollten. So fand er es einfach zünftiger. Mir war es ja egal, aber die Prinzessinnen hatten extra ihre Haarteile angelegt. Nun war dieser Aufwand umsonst gewesen. Immerhin sah man ihre Glitzerkleider. Ich hatte meine hohen Stiefel, die enge schwarze Hose und das rote Glitzershirt an. Zum Glück waren Heizschirme aufgestellt.

Dann sollten wir gleich loslegen und taten, wie uns geheißen. Schon nach dem ersten Titel bat uns der Bauherr, doch bitte etwas leiser zu spielen. Kein Problem für die Prinzessinnen, einfach die Anlage leiser drehen! Ich hielt mich auch in der Lautstärke zurück, doch konnten meine Bemühungen den Auftraggeber nicht zufrieden stellen. In dem halbfertigen Neubau hallte es einfach sehr, und allein die Stimmen der Gäste trugen sehr zum allgemeinen Lärm bei.

Beim dritten Song wurde ich dann gebeten, mein Spiel einzustellen. So was habe ich ja noch nie erlebt! Na bitte, sollten meine Showpartnerinnen eben einfach alleine weiter machen. Es kam ja sowieso hauptsächlich aufs Optische an. Cindy beruhigte mich, dass ich die Gage in jedem Fall bekäme. Ich nahm also den Bauhelm ab, verpackte das Saxophon und mischte mich unter die Gäste.

Und siehe da, gleich kam ein gut aussehender Mann auf mich zu und erbot sich, mir ein frisch gezapftes Bier und einen Hamburger vom Grill zu bringen. Das versöhnte mich umgehend mit meinem ungeplanten Abgang von der Bühne. Während die PRETTY PRINCESSES in ihren Kleidchen und mit den gelb leuchtenden Bauhelmen ein skurriles Bild abgaben und von Molekülen und verflossenen Liebsten sangen, ließ ich es mir schmecken und erfuhr, dass der aufmerksame Mann der Architekt des Einkaufscenters ist und es sich hierbei um seinen ersten großen Auftrag handelt. Das Bier machte mich etwas benommen, glücklicher Weise war ich mit dem Fahrrad gekommen. Jedenfalls haben wir uns wunderbar unterhalten und unsere Telefonnummern ausgetauscht. Felix, so heißt er, hat auch manchmal beruflich in Berlin zu tun. Vielleicht kann er mich ja am Dienstag dorthin mitnehmen, wenn Probe mit den SUGAR BABIES ist�

So jetzt schnell ins Bett, den LILA SALON werde ich mir heute schenken!

Mexikanische Freuden

23. November 2006

Gestern bei Susanna und Mathilda war es sehr schön. Mathilda hat zum zweiten Geburtstag ein wunderbares Büchlein geschenkt bekommen: DIE PRINZESSIN KOMMT UM VIER. EINE LIEBESGESCHICHTE von Wolfdietrich Schnurre mit Bildern von Susanne Berner (Aufbau-Verlag GmbH, Berlin 2003). Die Zeichnungen sind allerliebst. Es geht um eine angeblich verzauberte Hyäne, die eingeladen werden muss, damit sie sich in eine Prinzessin zurückverwandelt. Die Hyäne im verzauberten Zustand ist tatsächlich wenig attraktiv, voller Ungeziefer und übel riechend. Das gefällt Mathilda besonders: “Hyäne stinkt! Ekelhaft!” Das kleine Buch lieferte Gesprächsstoff für zwei Stunden.

Ab nächste Woche werde ich nun bei Bedarf und wenn ich Zeit habe Mathilda von der Kinderkrippe abholen. Darauf freue ich mich schon, denn je mehr die Kleine spricht, umso unterhaltsamer ist es mit ihr.

Abends war im BLUE NOTE nicht viel los, die meisten haben sich wohl am Feiertag einfach ausgeschlafen. Dafür hatte Carlos seine mysteriöse Freundin dabei, eine graue Maus, die sich den ganzen Abend an zwei Gläsern Cola festhielt und mir eher Leid tat, als dass sie Eifersucht in mir ausgelöst hätte. Soll sie doch mit Carlos glücklich werden, immerhin erbeutet er ja hin und wieder fremdgebackenen Kuchen für sie�

Von den Schülern gibt es wenig Neues. Klaus war noch ganz begeistert von den Aufnahmen und freut sich auf den Fototermin am Sonntag. Er hat jetzt auch einen original texanischen Gürtel mit einem Büffelkopf als Schnalle. So langsam verwandelt er sich in einen echten Cowboy. Nach Weihnachten nimmt er dann Stunden im Westernreiten.

Die kleinen Schüler proben fleißig Lieder für den Auftritt unterm Weihnachtsbaum. Der Beste, der dreizehnjährige Paul, ist jetzt schon bei LET IT SNOW!

Auf dem Rückweg habe ich in Hinblick auf die Baustellen-Einnahme bei den Prinzessinnen bei CULINARIA einen größeren Einkauf getätigt. Das Essen mit Klaus beim Mexikaner hat mich dazu inspiriert: Tortillas, pürierte rote Bohnen, frischen Koriander, Créme fraiche, zwei Avocados, ein argentinisches Steak�

Als ich zu Hause war, rief Silke aus Berlin an. Das Damenorchester, in dem sie jetzt trompetet, braucht für einen Auftritt am 2. Advent dringend eine Aushilfe am Tenorsax, also mich! Warum nicht? Ich finde ja, “Damenorchester” klingt etwas verstaubt, aber was soll´s, Gig ist Gig. Und außerdem fahre ich immer gerne nach Berlin. Die Fahrtkosten bekomme ich auch erstattet, und die nächsten beiden Dienstage sind damit für Proben mit den SUGAR BABIES verplant.

So, und jetzt koche ich mir was Feines:

LILIs TORTILLAS

- Tortillas in Alufolie einwickeln und in den vorgeheizten Backofen legen (da sollen sie einfach schön heiß werden)

  • das Steak klein schneiden, ebenso zwei rote Paprikaschoten und eine Zwiebel, das alles zusammen in Öl kurz anbraten (wenn man zwei Pfannen hat, Gemüse und Fleisch getrennt anbraten), alles salzen und pfeffern

  • parallel dazu die pürierten Bohnen in einem Topf oder in der Mikrowelle erwärmen

  • Avocado mit einer Knoblauchzehe, dem frischen Koriander und dem Saft einer halben Zitrone pürieren, salzen pfeffern

  • aus drei Tomaten und einer Zwiebel, Salz, Pfeffer, Zitrone und Oliven�l ein Salsa zaubern

  • Créme fraiche in ein Schälchen füllen

Wenn alles fertig ist, die verschiedenen kleinen Gerichte in Schälchen anrichten, die Tortillas aus dem Ofen nehmen und nach und nach am Tisch füllen, bis man nicht noch mehr essen kann�

Proben beim Adel

22. November 2006


Buß- und Bettag

So, jetzt habe ich mich erstmal richtig ausgeschlafen, draußen ist es feiertäglich still und gar nicht typisch bußtäglich regnerisch.

Gestern habe ich ja die Prinzessinnen in ihrem Domizil aufgesucht, das heißt, ich war bei Cindy zu Hause. Meike war natürlich auch schon da. Cindys Zweizimmerwohnung im unattraktiveren Teil von Gohlis ist schlicht mit Ikea-Möbeln eingerichtet, und ohne ihre Haarteile und Paillettenkleidchen sahen auch meine künftigen Showpartnerinnen eher unauffällig aus. Cindy überreichte mir einen Stapel Kopien mit Noten, natürlich C-Stimmen. Aber macht nichts, ich hatte das Tenorsax dabei, und mit dem kann ich problemlos vom Blatt transponieren.

Das Repertoire reicht von ICH HAB GETANZT HEUT NACHT bis zu MIAs Song TANZ DER MOLEKÜLE,(”Ich bin hier, weil ich hierhin gehör, ich bin von Kopf bis Fuß verliebt, Du bist mutig, weil Du mir Treue schwörst, zwischen all den schönen Souvenirs, sprich mich an in dem Takt, der dieses Lied zu unserm Hit macht” ich frage mich, wie man mit solchen Texten Erfolg haben kann�, die Prinzessinnen versichern mir aber, dass ich von MIA beziehungsweise von der Sängerin MIETZE viel lernen könnte, darüber denke ich später nach). Ich frage mich, wie diese adelige Sammlung musikalischer Kultur zustande kam. Aber ich bin ja quasi nur als Zeitarbeiterin bei den Hoheiten und stelle mir lieber keine Fragen.

Auf der Baustelle - ein künftiges Einkaufszentrum in der Innenstadt - sollen wir ungefähr eineinhalb Stunden spielen. Also haben wir so etwa zwanzig Songs angespielt, ein paar Absprachen für meine Soli getroffen und uns nach drei Stunden voneinander verabschiedet. Zuvor hat mir Cindy noch eingeschärft, dass ich mich am Auftrittstag rhythmisch zur Musik zu bewegen habe.

So, jetzt gehe ich noch zu Susanna und Mathilda zum Tee, später dann zur Session ins BLUE NOTE.

Susanna will mir eine Vollmacht geben, damit ich Mathilda künftig auch mal von der Krippe abholen kann. Susanna hat nämlich ab nächste Woche einen Halbtagsjob in einer Boutique. Von ihrem ewigen Nachhilfeunterricht allein kann sie auf Dauer nicht leben. Vielleicht kann ich ja dann das eine oder andere schicke Teilchen zum Einkaufspreis abbekommen�

Mit Wildpferden im Studio

21. November 2006

Die Brownies schmeckten heute zum Frühstück noch besser als gestern Abend! Dazu gab´s einen feinen Earl Grey Tee mit Rohrzucker und Milch. Tee hat so was Entspannendes im Gegensatz zu Kaffee. So fing der Tag gut an.

Tja, und dann waren wir bei Eddie im Studio. Klaus erwartete uns schon ganz aufgeregt in Fransenlederweste und Cowboystiefeln. In letzter Minute hatten wir noch einen Schlagzeuger für den Einsatz aufgetrieben, Detlef aus Köln, groß, langlockig und charmant. Ben hatte seine Westerngitarre dabei und Tommi den E-Bass.

Klaus hatte seine Songs noch mal für uns alle kopiert, es sollte ja alles glatt gehen. Er war ja auch noch nie in einem Tonstudio gewesen und deshalb verst�ndlicher Weise nervös. Ganz enttäuscht war unser Cowboy, als er nicht gleich loslegen durfte. Erst habe ich mit den Jungs LONELY ON THE ROAD, WILD HORSE und DUSTY BOOTS eingespielt. Dann durften die Jungs nach Hause gehen. Vorher haben wir noch verabredet, dass wir uns alle nächsten Sonntag um zehn im Reitstall seiner Frau zum Fototermin treffen. Bei den WILD HORSES läuft eben alles organisiert.

Klaus sang seine Songs zu der Aufnahme in wahrhaft überzeugender Cowboy Manier, und zum Schluss habe ich dann noch mit dem Tenorsax um den Gesang herum improvisiert.

Anschließend lud Klaus mich noch zum späten Mittagessen ein. Mexikanisch - fast ein texanisches Cowboyessen mit Tortillas, Guacamole und feiner Fleischfüllung!

So lasse ich mich gern von Cowboy Klaus verwöhnen. Leider ist ja nachher noch die Probe mit den Prinzessinnen, sonst hätte ich die Margarita nicht ausgeschlagen. Aber ich will den Hoheiten lieber mit klarem Kopf begegnen. Es reicht ja schon, dass ich jetzt nach Knoblauch rieche.

Jedenfalls habe ich mit Klaus verabredet, dass der Fotograf am Sonntag dann auch noch ein paar Fotos von mir und den Jungs für unsere Demo-CD macht. Wirklich nett von Klaus! In Sachen Vermarktung kann ich viel von ihm lernen.

Gehversuche

20. November 2006

So, ich habe wieder was gelernt. Ich war also gestern pünktlich eine halbe Stunde vor meinem Einsatz, also gleich nach dem Frühstück, im Autohaus von Herrn Niemann. Er musterte mich einmal von oben bis unten und schien auch ganz angetan von meinem Erscheinungsbild: Pferdeschwanz, hohe Stiefel (ein Schnäppchen von ebay, meiner heimlichen Leidenschaft an einsamen Abenden), enge schwarze Hose mit Glittergürtel und ein enger Samtbody (Leihgabe von Susanna, leider etwas knapp in der Länge und deshalb recht spürbar im Schritt).

Wahrscheinlich hätte ich auch das Saxophon zu Hause lassen können, wenn ich dann entsprechend auf dem neuen Geländewagen - dem eigentlichen Star der Veranstaltung - posiert hätte.

Fairer Weise gab mir Herr Niemann dann gleich meine Gage und bot mir vorab schon mal ein Schlückchen Sekt an. So was kann ich nur schwer ausschlagen, und so war das Gläschen schnell gelehrt. Jetzt hatte ich aber dummer Weise meinen Halsgurt für das Saxophon zu Hause vergessen - schlechte Vorbereitung! Also, schnell improvisiert: Eine Konstruktion aus meinem Gürtel und Haarband waren ein guter Ersatz. Herr Niemann schien allerdings schon etwas verblüfft, als er mich bei der Demontage des Gürtels beobachtete und dachte wohl, dass ich eigens für ihn mein Rapunzelhaar herabließ. So zwinkerte er mir dann auch verschwörerisch zu.

Es waren schon an die dreißig Kunden da, und Herr Niemann gab mir ein Startzeichen.

Ich stellte mich für mein Solo lässig an den Geländewagen, einen Fuß auf dem Trittbrett abgestützt. Los ging�s mit BLACK ORPHEUS, Thema vorstellen, improvisieren, dann noch mal das Thema, und ich merkte schon: Der Body saß nicht mehr so wie vorher. Kein Gürtel mehr zur Festigung - und ZACK! schnappten die Druckknöpfe auf und man konnte die Gesamtkonstruktion dieses kleidsamen Oberteils bewundern. Herr Niemann hatte es gesehen, ich musste noch BLACK ORPHEUS zum Ende bringen. Was tun? Erstmal wurde ich rot. ZU ENDE SPIELEN! Dann wechselte ich scheinbar kurz die Pose, Bein runter von Trittbrett, war sowieso nicht so bequem, und krempelte die untere Hälfte des Bodys um. So war ich jetzt eben modisch nabelfrei, peinlich. Doch außer meinem Auftraggeber, der das alles wohl für einen Teil einer diskret für ihn inszenierten Show hielt, war ich wohl unbeobachtet geblieben. Nun hatte ich wirklich nichts mehr zu verlieren, was sollte sonst noch schief gehen?

Herr Niemann signalisierte mir, dass ich mich doch dem Publikum nähern sollte. Noch sechs Songs für die halbe Stunde. Etwas befangen stellte ich mich neben ein Ehepaar, das sich dem Verzehr seiner Bockwürste widmete, und wanderte dann - BLUE BOSSA war jetzt dran - zwischen den Stehtischen umher. Für MY SHIP zog ich mich zu einem roten Cabrio zurück, dann noch eine Wanderrunde. Die halbe Stunde war um, Herr Niemann restlos begeistert. Er will mich weiter empfehlen. Ob ich Visitenkarten dabei hätte? Natürlich nicht, ich Trottel. Ob er mich mal privat treffen dürfe? Danke für Ihre Wertsch�tzung, aber ich bin verlobt! Was Besseres fiel mir leider nicht ein. Schnell gepackt und nichts wie weg!

Und weiter geht�s! Gerade hat PRETTY PRINCESS Cindy angerufen. Sie hätte mich gerne bei einem Gig auf einer Baustelle in der Innenstadt dabei, schon am kommenden Freitag! Ich soll die Prinzessinnen mit meinem Saxophon bei ihrem Halbplayback unterstätzen. Mach´ ich doch glatt, immerhin 280 Euro soll ich dafür bekommen. Da kann ich mir dann einen eigenen Body leisten. Morgen Abend ist Probe bei Cindy, und dann müssten wir für die Baustelle gerüstet sein.

So, jetzt übe ich noch mal die Songs, die ich morgen für Klaus im Studio einspiele. Die WILD HORSES sollen ja ein Erfolg werden! Und dann backe ich mal einen Vorrat an Brownies, die Woche könnte anstrengend werden:

LILI´s SCHOKOLADENBROWNIES

Man braucht das Folgende:

130 g Butter und etwas mehr zum Einfetten der eckigen Backform

120 g Zartbitterschokolade, in Stücke gehackt

300 g brauner Zucker

1 Prise Salz

5 Tropfen Vanillearoma oder das Innere einer halben Vanilleschote

2 große Eier

120 g Mehl EL Kakaopulver

100 g grob gehackte Walnüsse

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, eine eckige Kuchenform einfetten, Butter und Schokolade im Wasserbad schmelzen, alles glatt rühren, Zucker, Salz, Vanille einrühren, nacheinander die Eier hineinrühren. Dann Mehl und Kakaopulver hinzugeben alles fein verrühren. Zum Schluss die Walnüsse hinzugeben und alles in die Form geben. 30 - 40 Minuten backen.